T-Day: Ron Sommers letzte Chance - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

T-Day Ron Sommers letzte Chance

Auf der Aufsichtsratssitzung der Telekom am Dienstag hat Vorstandschef Ron Sommer noch einmal Gelegenheit, die versammelten Konzernkontrolleure von seiner Strategie zu überzeugen. Da sich die zwanzig Aufsichtsräte bisher offenbar nicht auf eine klare Linie einigen konnten, ist Sommers Abwahl keineswegs sicher.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bonn/Berlin - Auf der für Dienstag angesetzten Sondersitzung des Aufsichtsrats werde Sommer als erstes seine Position und Strategie vortragen, hieß es aus Unternehmenskreisen. Ein wichtiger Punkt werde dabei die Frage sein, ob das Hauptziel Schuldenabbau wie geplant erreichbar sei. Bis Ende des kommenden Jahres will die Telekom ihre Verbindlichkeiten nach bisheriger Planung von derzeit mehr als 67 Milliarden Euro auf unter 50 Milliarden Euro senken.

Aus dem Aufsichtsrat nahen Kreisen verlautete am Montag, das Gremium sei weiterhin uneins in der Frage, ob und gegebenenfalls durch wen Sommer ausgewechselt werden soll. Von dem Treffen in Bonn erwarten manche Teilnehmer in erster Linie Klarheit über die Lage und die Aussichten des Konzerns.

Interner Widerstand gegen Tenzer

Telekom-Technikvorstand Gerd Tenzer, der dem Vernehmen nach als möglicher Nachfolger Sommers im Gespräch ist und anscheinend auch von der Bundesregierung favorisiert wird, hat Kreisen zufolge keineswegs eine sichere Mehrheit im Aufsichtsrat. Die krisenhaft zugespitzte Personaldebatte war nach Angaben aus dem Bonner Unternehmen auch Thema einer Vorstandssitzung am Montag, auf der Sommer mit seinen Kollegen die Position für das Aufsichtsratstreffen abstecken wollte.

Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat wollen angeblich allenfalls einen Nachfolger aus dem Hause selbst akzeptieren. Tenzer hat nach Agenturberichten bislang seinen Handschuh noch nicht in den Ring geworfen. Explizit abgelehnt habe der Technikvorstand eine Kandidatur für den Topjob aber auch nicht, so Kreise. Gegen den 58-Jährigen gibt es einem Zeitungsbericht zufolge eine Abwehrfront unter seinen Vorstandskollegen. Zwei der Manager hatten vorige Woche gesagt, der Vorstand stehe hinter Sommer und der bisherigen Strategie. Nun drohe Tenzer in den Ruf eines "Königsmörders" zu kommen, hieß es im Unternehmen.

Dementis allerorten

Zumindest indirekte Unterstützung erhielt Sommer am Montag vom Aufsichtsratsmitglied Bernhard Walter. Der frühere Vorstandssprecher der Dresdner Bank, einer der Hausbanken der Telekom, ließ nach einem Treffen mit Sommer offiziell verbreiten, er habe zu keinem Zeitpunkt dessen Ablösung gefordert und auch keine anderen unternehmenskritischen Äußerungen gemacht. Solche in Presseberichten zitierten angeblichen Aussagen Walters hatten die Debatte um Sommer angeheizt.

Die Bundesregierung wies ebenfalls Vorwürfe zurück, Einfluss auf die Diskussion genommen zu haben. Frei erfunden sei ein Zeitungsbericht, nach dem Bundeskanzler Gerhard Schröder sich am Wochenende in die Debatte eingeschaltet habe.

T-Aktie verliert über zehn Prozent

Von Aktienanalysten wird ein möglicher Vorstandsvorsitzender Tenzer mit Skepsis gesehen. Für den Fall, dass der 58-jährige SPD-Mann nicht nur übergangsweise berufen würde, kündigte das Bankhaus Sal. Oppenheim eine Rückstufung der T-Aktie   an, die es derzeit stark zum Kauf empfiehlt. Auch die Börse reagierte negativ auf die Spekulation, der als reiner Techniker ohne größere Finanzmarkterfahrung angesehene Tenzer könnte den Dax-Konzern Telekom führen: Die T-Aktie gab bis zum frühen Abend um 13,1 Prozent auf rund 10,40 Euro nach und war damit der größte Verlierer im Dax.