T-Mobile: "Wer dopt, fliegt" - DER SPIEGEL
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T-Mobile "Wer dopt, fliegt"

Die Radprofis Ullrich und Sevilla hat der T-Mobile-Konzern suspendiert, dennoch will die Telekom-Tochter am Sponsoring festhalten. Doch Marketing-Experten bezweifeln, dass Werbung im Radsport überhaupt noch Sinn macht.
Von Tim Höfinghoff
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - In Sachen Doping wurden in den Tagen vor dem Start des wichtigsten Radrennens der Welt die Vorwürfe gegen die Radprofis Jan Ullrich und Oscar Sevilla zunehmend lauter. Der Druck auf den T-Mobile-Konzern als Sponsor des Teams erhöhte sich ständig: "In der vergangenen Nacht und heute morgen haben wir immer mehr Hinweise der Ermittler erhalten, die belegen, dass die Fahrer nicht die Wahrheit gesagt haben", sagte T-Mobile-Sprecher Philipp Schindera gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Wegen der Doping-Vorwürfe in Spanien gegen die beiden Spitzenfahrer hatte T-Mobile auch Sportdirektor Rudi Pevenage suspendiert. Bei dem mutmaßlichen Doping-Arzt Eufemiano Fuentes hatte die spanische Polizei Unterlagen zu 56 Fahrern gefunden. Außerdem wurden Steroide, Hormonpräparate und das leistungssteigernde Mittel EPO beschlagnahmt. Die Behörden haben auch die spanischen Teams Comunidad Valenciana und Astana-Würth im Visier.

Noch am Dienstag hatten die Tour-Veranstalter erklärt, dass es nicht genug Beweise gegen Ullrich gebe, um ihm den Startverzicht nahe zu legen. Die Tour startet nun mit einem deutlich kleineren Feld - alle von den Ermittlungen betroffenen Sportler werden nicht antreten.

Ullrich hatte stets erklärt, nie mit dem Arzt Fuentes gearbeitet zu haben. Er sagte der "Frankfurter Rundschau": "Mir kann ja keiner was. Ich habe nichts zu verbergen. Und ich habe auch nichts zu beweisen."

Doch wenn es nach T-Mobile geht, "ist die Unschuldsvermutung nicht mehr gegeben". Um glaubwürdig zu bleiben, "haben wir uns zu diesem schmerzhafte Schritt entschieden". Vorher hatte T-Mobile noch mehrmals mit den Fahrern gesprochen und sich ihre Unschuldsbeteuerungen schriftlich geben lassen. Zwar gebe es noch keine Beweise für die Vorwürfe gegen die Sportler, doch "wer dopt, der fliegt", so der T-Mobile-Sprecher.

Aus der Radsportwerbung will sich T-Mobile dennoch nicht zurückziehen. "Es gibt zunächst keinen Anlass, vorschnell Konsequenzen zu ziehen", heißt es bei T-Mobile, "wir halten am Radsportengagement fest".

"Skandal für deutschen Radsport"

Doch nach Einschätzung von Marketing-Experten kann es zum "größtmöglichen Skandal für den deutschen Radsport kommen", sagt Stephan Schröder von Sport+Markt, einem Unternehmen für Sport-Kommunikationsforschung. Die Ausmaße könnten den Festina-Skandal sogar noch übersteigen - 1998 war das Festina-Team wegen eines Doping-Skandals von der Tour de France ausgeschlossen worden. "Wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten, muss sich T-Mobile die Frage stellen, ob Werbung im Radsport noch Sinn macht."

Bisher konnten Unternehmen wie T-Mobile darauf bauen, dass Ullrich als einer der beliebtesten Sportler in Deutschland gilt. "Er ist ein Aushängeschild", so Schröder. Wenn jedoch nicht nur Ullrich, sondern mehr als 50 Fahrer von dem Doping-Fall betroffen sind, dann "sind die Ausmaße sehr groß und die Tour de France droht an Attraktivität zu verlieren". Bisher stehe das Radsport-Erlebnis für "Teamgeist und Dynamik", sagte Schröder. "Wenn diese Imageattribute aber von Doping überlagert werden, dann ist es schwierig für Unternehmen wie T-Mobile, noch ihren Markenwert zu steigern."

Auch für die Sportrechte-Agentur Sportfive wird es nun alles andere als leicht sein, Ullrich gewinnbringend zu vermarkten. Erst vor drei Monaten hatte Ullrich mit Sportfive einen Vertrag geschlossen, um neue Werbepartner zu finden. "Wir gehen weiter von seiner Unschuld aus und warten die Ergebnisse ab", sagte Sportfive-Sprecherin Caroline Götz gegenüber SPIEGEL ONLINE. Zu den weiteren Auswirkungen auf das Werbegeschäft von Ullrich wollte sie sich nicht äußern. Bei T-Mobile heißt es, dass eben "jeder Sponsor ein Risiko eingeht".

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