T-Online: Fass ohne Boden - DER SPIEGEL
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T-Online Fass ohne Boden

Deutschlands größter Internet-Provider T-Online erwartet, in diesem Jahr seine Verluste zu verdoppeln. Besonders schlecht laufen die Flatrate und das Engagement in Frankreich und Spanien.
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Darmstadt - Wie Finanzvorstand Rainer Beaujean am Donnerstag in Darmstadt sagte, ist im laufenden Jahr ein Verlust nach Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 250 Millionen Euro (rund 500 Millionen Mark) "nicht unrealistisch". Damit würden sich die Verluste gegenüber 2000 in etwa verdoppeln.

Vorstandschef Thomas Holtrop sagte, steigende Werbeeinnahmen und neue Bezahlangebote sollten T-Online aber in den nächsten Jahren profitabel machen. Von den zu erwartenden Verlusten für das laufende Jahr würden zwei Drittel auf die Beteiligungen an dem französischen Internet-Provider Club Internet sowie der spanischen Ya.com entfallen.

Auch die Flatrate werde weiter zu den Verlusten beitragen. Zwar wird das pauschale Internetangebot nicht mehr angeboten - aus vertraglichen Gründen läuft es aber erst zum 11. Dezember 2001 endgültig aus. Über die Höhe machte das Unternehmen keine Angaben. Der Kundenstamm von T-Online und seinen ausländischen Töchtern soll bis zum Jahresende europaweit von derzeit 8,5 auf zehn Millionen wachsen.

Für das Jahr 2000 verbleibt in den Büchern ein Konzernverlust von 389,7 Millionen Euro. Nach Steuern, Zinsen und Abschreibungen beläuft sich der Verlust auf 121,7 Millionen Euro. Zugleich kletterte der Umsatz von 428,4 auf 797,2 Millionen Euro, ein Plus von 86 Prozent. Die Zahl der Kunden in Deutschland stieg um rund 2,3 auf 6,5 Millionen. Zudem hat sich gegenüber 1999 die durchschnittliche Nutzungszeit pro Monat und Kunde nach Firmenangaben von 319 auf 580 Minuten erhöht.

Nach Angaben des Unternehmens kletterten die Einnahmen aus den Nutzungsgebühren von 395 auf 666 Millionen Euro. Die Einnahmen aus E-Commerce und Internet-Werbung stiegen von 16,4 auf 110 Millionen Euro, ein Plus von 570 Prozent. Allerdings trägt das Mutterunternehmen Deutsche Telekom zu den Werbeeinnahmen bislang 44,5 Prozent bei.

Rettung durch bezahlte Inhalte?

Nach Holtrops Worten will T-Online Angebote, für die Kunden gesondert zahlen müssen, stark ausweiten: "Dieser Schritt ist für die gesamte Internetbranche unumgänglich." Alle Versuche, den Kunden dauerhaft Inhalte und Zugang zum Internet kostenlos anzubieten, seien ökonomisch nicht durchzuhalten. Bis 2004 sollen bei T-Online die Einnahmen aus dem Verkauf von Inhalten, Serviceleistungen und Werbung von derzeit 14 auf mehr als 30 Prozent des Umsatzes steigen. Das Inhalts- und Serviceangebot werde ständig erweitert. Dazu werde T-Online nach der Partnerschaft mit dem ZDF in naher Zukunft weitere Partnerschaften mit etablierten Marken bekannt geben.

Beim Ausbau des Werbegeschäfts will sich T-Online künftig stärker auf Unternehmen der Old Economy konzentrieren. Holtrop verwies darauf, dass die Online-Branche vom bundesdeutschen Werbekuchen von insgesamt 12,2 Milliarden Mark derzeit nur zwei Prozent abbekommt: "Wir haben noch ein gewaltiges Wachstumspotenzial."