T-Online Horrende Verluste
Darmstadt - T-Online weist für das Geschäftsjahr 2000 einen Verlust vor Steuern von 125 Millionen Euro aus gegenüber einem Gewinn von 17,6 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Wie das Unternehmen am Mittwoch ad hoc mitteilte, trugen zu der Erhöhung die Anlaufverluste bei den Auslandstöchtern bei.
Bereits im dritten Quartal hatte sich abgezeichnet, dass die Einführung des Internetpauschalbetrags, die so genannte Flatrate, das Ergebnis belastet, das hat sich im vierten Quartal fortgesetzt.
T-Online, Europas größter Internetanbieter, hat im letzten Quartal des Geschäftsjahres 2000 das geringste Kundenwachstum des Jahres aufgewiesen. Der Mutterkonzern Deutsche Telekom hatte am Dienstag mitgeteilt, die T-Online-Kundenzahl in Europa sei bis Jahresende auf 7,9 Millionen nach 7,04 Millionen Ende September gestiegen.
Mit dem Kunden-Quartalszuwachs von zwölf Prozent blieb T-Online klar hinter den Zuwächsen von rund 18 Prozent im ersten, 22 Prozent im zweiten und 17 Prozent im dritten Quartal zurück. Gegenüber den zum Jahresende 1999 registrierten 4,7 Millionen Kunden stieg die Kundenzahl bei T-Online im Jahr 2000 aber deutlich an. Der Konzernumsatz verbesserte sich um 86,1 Prozent auf 797,2 Millionen Euro. Dabei versechsfachten sich die Umsätze aus E-Commerce und Werbung auf 110,0 Millionen Euro. Die neuerworbenen Tochtergesellschaften waren mit einem Umsatz von 55,2 Millionen Euro am Gesamtumsatz beteiligt.
Spekulationen über schwächer ausfallende Geschäftszahlen von T-Online hatten den Kurs der seit Monaten unter Druck stehenden Aktien erneut belastet. In Kreisen des Unternehmens wurde allerdings signalisiert, man werde die Erwartungen der Analysten erfüllen. Dies ist allerdings nur teilweise geschehen.
Die Schätzungen der Analysten hatten zuletzt bei einem Verlust von rund 109 Millionen Euro gelegen. Das Bankhaus M. M. Warburg geht davon aus, dass auch in den Jahren 2001 und 2002 nicht mit einer Trendumkehr zu rechnen sei.
Im Börsenhandel am Mittwoch stieg die Aktie bis zum späten Vormittag um 4,3 Prozent auf 16,16 Euro. Damit liegt die Aktie aber gut zwei Drittel unter ihrem Höchststand von knapp 48 Euro Anfang Mai 2000. Gemessen am Emissionspreis von 27 Euro vernichtete die Firma seit dem Börsengang Aktionärsvermögen privater und institutioneller Anleger in Höhe von rund einer Milliarde Euro.
Das Papier wurde Ende vergangenen Jahres zusätzlich von einer schweren Führungskrise und einem Betrugsskandal belastet. Fast die gesamte Führungsriege des Ex-Chefs Wolfgang Keuntje musste gehen. Vier Manager des mittleren Managements wurden fristlos gekündigt, weil sie - so der Verdacht - bei nicht erlaubten Nebengeschäften zum Schaden von T-Online in die eigene Tasche wirtschafteten. Die beim Börsengang großspurig verkündete Expansion in das europäische Ausland geriet zunehmend zur Nebensache.