T-Online Tief, tief ins Minus
Darmstadt - In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres konnte T-Online International den Umsatz auf 809 Millionen Euro steigern, nach 543 Millionen Euro im Vorjahr. Zugleich verzeichnete das Unternehmen einen Verlust vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 158 Millionen Euro, nach 14,35 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.
Gegenüber dem zweiten Quartal konnte T-Online-Chef Thomas Holtrop die Verluste jedoch leicht zurückfahren: Hatte T-Online im zweiten Quartal noch einen Ebitda-Verlust von minus 57 Millionen Euro ausgewiesen, waren es im abgelaufenen Quartal nur noch minus 35 Millionen Euro. Die Mehrheit der Analysten hatte mit einer deutlicheren Umsatzsteigerung gerechnet, jedoch im dritten Quartal einen weit geringeren Rückgang der Verluste erwartet. Am Morgen legten die T-Online-Aktien zunächst um über drei Prozent zu.
Entgegen dem allgemeinen Trend hätten auch die Umsätze des reinen Portalgeschäftes zugelegt, teilte die Tochter der Deutschen Telekom am Dienstag weiter mit. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2001 wuchsen die Portalumsätze von 36,6 Millionen Euro um rund zehn Prozent auf 40,3 Millionen Euro.
Zum Ende des dritten Quartals hat T-Online die Zahl der Teilnehmer europaweit auf rund 9,8 Millionen von 7,0 Millionen im Vorjahr gesteigert. Die Zahl der T-DSL-Flatrate-Kunden wuchs auf 578.000, nach 335.000 im ersten Halbjahr.
Der Verlustrückgang im dritten Quartal dürfte die Position des Vorstandchefs Thomas Holtrop stärken, der das bisher rein quantitative Wachstum in ein qualitatives Wachstum überführen will. T-Online soll von einem Internet-Zugangsanbieter zu einem integrierten Medien und E-Commerce-Konzern werden. Im Jahre 2003 sollen Medienangebote und Internethandel rund ein Drittel am Gesamtumsatz ausmachen. Derzeitsind es rund zehn Prozent. 86 Prozent des Umsatzes werden noch mit dem Zugangsgeschäft erzielt.
"Das ist eine sehr sinnvolle Strategie, aber es wird noch sehr lange dauern, bevor sie Früchte trägt", sagte der Telekom-Experte Theo Kitz von Merck, Finck & Co. Außerdem seien die Margen von T-Online selbst dann noch uninteressant, wenn die neue Strategie von Holtrop wie geplant umgesetzt werde.
Da nützt auch eine Meldung wenig wie diejenige, wonach T-Online kurz vor dem selbst gesteckten Ziel steht, zum Jahresende zehn Millionen Kunden in der Kartei zu führen.
Im lukrativen T-DSL-Markt meldete T-Online zwar schon September die Zahl von 578.000 Kunden, doch das Ziel, zum Jahresende eine Million Kunden aufzuweisen, ist nach Einschätzung von UBS Warburg "sehr ambitioniert". Dies würde nämlich bedeuten, dass T-Online im bevorstehenden vierten Quartal 74 Prozent mehr Neukunden für DSL akquirieren müsste als im dritten Quartal.
Kaufempfehlungen für die T-Online-Aktie bleiben daher selten. Zuletzt bestätigten die Strategen von Credit Suisse First Bosten ihre "Sell"-Empfehlung für T-Online. Die Telekom-Tochter entwickle sich auf dem heimischen Markt unterdurchschnittlich und spiele auf der internationalen Bühne nur eine Statistenrolle, urteilten die Experten Anfang November.
Das internationale Geschäft ist für T-Online der wunde Punkt: Rund zwei Drittel der Verluste macht die Firma mit ihren Töchtern in Spanien und vor allem in Frankreich. "Die große Frage ist, ob T-Online ihre verlustbringenden Auslandsbeteiligungen in den Griff bekommt", sagt der Telekom-Analyst Kitz. Vor allem für Frankreich sei er skeptisch, ob die Beteiligung an Club Internet angesichts des scharfen Wettbewerbs eine aussichtsreiche Investition gewesen sei. "Es gibt Spekulationen, wonach sich T-Online auch wieder von Club Internet trennen könnte", sagte Kitz.