T-Systems-Chefsessel Telekom verhandelt mit Ex-Vodafone-Chef
Köln - "Der Handlungsdruck ist ziemlich hoch, und Geitner hat starke Rückendeckung aus dem Aufsichtsrat", sagte ein Unternehmenskenner der "Financial Times Deutschland" zufolge. Geitner gelte als Favorit von Telekom-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel. Es würden derzeit "intensive Gespräche" geführt. Im Gespräch sei zudem auch Reinhard Clemens, Deutschland-Chef des IT-Dienstleisters EDS.
Dem Wirtschaftsmagazin "Capital" zufolge hatte Telekom-Chef René Obermann eigentlich einen anderen Kandidaten im Sinn der wollte aber nicht. Kamyar Niroumand, der vor zwei Jahren von T-Systems zum Berliner Systemhaus Beta Systems gewechselt war, habe vor wenigen Tagen abgesagt. Neben Geitner und Clemens führt "Capital" den Software-AG-Chef Karl-Heinz Streibich als möglichen Kandidaten an. Bei der Deutschen Telekom war bisher niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.
Eine Berufung von Clemens würde laut "Capital" von vielen Managern bei T-Systems als Indiz für einen späteren Verkauf der Großkundensparte an EDS gewertet. Der frühere T-Systems-Chef Lothar Pauly war wegen einer möglichen Verstrickung in die Siemens-Affäre zurückgetreten.
16.000 Stellen auf dem Prüfstand
Nicht nur der vakante Chefsessel sorgt für Unruhe bei T-Systems. Einem "Focus"-Bericht zufolge will die Telekom rund 16.000 Programmierer und Computertechniker der Sparte in ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem Partner auslagern. Diese Woche solle der Konzernbetriebsrat über die Pläne informiert werden. Der Aufsichtsrat solle die Strategie am 30. August absegnen.
Telekom-Chef René Obermann hatte bereits angekündigt, er suche für das Großkundengeschäft von T-Systems einen oder mehrere strategische Partner, um die Wettbewerbsfähigkeit der Sparte zu verbessern. Die Telekom wollte sich zu Mitarbeiterzahlen nicht äußern. Sie erklärte auf Anfrage, derzeit "beschäftigen wir uns damit, die strategische Ausrichtung der T-Systems" konkret auszugestalten. Umfang und Struktur der Geschäftsbereiche, die die Telekom mit Partnern betreiben wolle, würden zurzeit spezifiziert.
Ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder forderte: "Es darf keinen Angriff auf die Existenzbedingungen der Beschäftigten geben." Der gegenwärtige Sparkurs sei keine Lösung für die Probleme des Konzerns. "Die Telekom kann sich nicht gesundschrumpfen, sondern benötigt eine Vorwärtsstrategie", sagte Schröder laut "Focus".
ase/AP/dpa-AFX