Tabakkonsum Zigarettenindustrie fordert höhere Steuern
Hamburg - Im vergangenen Jahr haben nach Marktuntersuchungen wieder mehr Deutsche zum Glimmstängel gegriffen. Doch die großen Hersteller wie Philip Morris, Reemtsma oder BAT konnten von der gestiegenen Nachfrage nicht profitieren, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Ganz im Gegenteil: Ihr Marktanteil sei bei 140,8 Milliarden verkauften Zigaretten sogar um 0,3 Prozent gesunken. Gewinner hingegen sollen die günstigeren Handelsmarken ("Boston", "Magnum" oder "Imperial") sein. Im Vergleich zu 1999 sei ihr Absatz mit 14 Milliarden Stück um ein Drittel gestiegen.
Die etablierten Marken schlagen nun offenbar Alarm und bedrängen das Bundesfinanzministerium, die Mindeststeuer je Zigarette anzuheben. Sie hoffen, so den Preisvorteil der Billigkonkurrenz, die im Durchschnitt 1,60 Mark weniger kosten, zu minimieren. Bislang wird dem Bericht nach für jede Handelsmarkenzigarette der Mindeststeuersatz von 13,7 Pfennig bezahlt, während die Markenzigaretten mit 16,5 belastet werden. Die Differenz kommt dadurch zustande, dass sich die Abgaben an den Fiskus nach den Endverbraucherpreisen richten.
Finanzminister Hans Eichel (SPD) soll sich jedoch weigern, dem Druck der Konzerne nachzugeben, obwohl er wegen des vermehrten Griffs zu den Billigmarken jährlich 165 Millionen Mark Steuern weniger einnimmt. Eichel scheue sich, die Wähler nach der Ökosteuer mit einer neuerlichen Steuererhöhung zu verschrecken, heißt es.
Ein Preiskrieg mit den konzernfremden Billiganbietern ist für die großen Zigarettenmarken offenbar keine Alternative zur Steuererhöhung. Die Konzerne hätten den letzten intensiven Kampf um Deutschlands Raucher im Jahre 1982 in allzu schlechter Erinnerung, schreibt die "FAZ". Um rund eine halbe Milliarde Mark sei der Umsatz seinerzeit eingebrochen. Heute würde ein solcher Preiskampf ein Vielfaches kosten.