Tabubruch: Gewerkschaft will SPD bestreiken - DER SPIEGEL
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Tabubruch Gewerkschaft will SPD bestreiken

Seit es die Bundesrepublik gibt, hat noch nie eine Gewerkschaft gegen den Arbeitgeber SPD gestreikt. Das soll nun in Kiel anders werden, denn dort wollen die Sozialdemokraten die Gehälter ihrer Mitarbeiter drastisch kürzen.
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Kiel - Allein, dass der Streik überhaupt geplant wird, ist eine Akt ohne historisches Vorbild. Dieter Altmann von der Dienstleistungsgesellschaft Ver.di sieht aber offenbar keine Alternative mehr. Die Tarifverhandlungen mit dem SPD-Landesverband seien gescheitert, sagt er. Nun haben die Nordlichter die entsprechenden Anträge auf Arbeitskampfmaßnahmen beim Ver.di-Bundesvorstand gestellt.

Ver.di will so Gehaltssenkungen für die 31 hauptberuflichen SPD-Mitarbeiter in Kiel verhindern. Die SPD begründet ihren Plan damit, dass die Mitgliederzahlen sinken - und dadurch auch die Beiträge fallen, mit denen die Mitarbeiter bezahlt werden.

SPD-Betriebsrat Dieter Hess bestätigte die Gewerkschaftspläne: "Die Streikbereitschaft ist hoch." Gewerkschaftsfunktionär Altmann erklärte, es falle ihm nicht leicht "mit harten Bandagen gegen unseren historischen Verbündeten vorzugehen". Jedoch stünden Mitgliederinteressen im Vordergrund.

Hintergrund der Auseinandersetzung zwischen Gewerkschaft und SPD: SPD-Landesgeschäftsführer Christian Kröning will eine "neue soziale Architektur" im nördlichsten Landesverband einführen. Alle Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen sind gekündigt. Laut Ver.di will der Landesverband für seine 31 Mitarbeiter eine Senkung des Gehaltsniveaus um bis zu 48 Prozent durchdrücken. Das Weihnachts- und Urlaubsgeld solle wegfallen und die Wochenarbeitszeit von 37 auf 39,5 Stunden angehoben werden.

SPD-Landesgeschäftsführer Kröning erklärte, er wisse nichts von geplanten Streiks. Er bedauere, dass die Gewerkschaft so vorschnell handele. Er bestätigte, dass man sich nicht beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld habe einigen können.