Talfahrt: Euro rutschte unter 85 Cent - DER SPIEGEL
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Talfahrt Euro rutschte unter 85 Cent

Der Euro ist wieder auf Tauchstation gegangen. Schuld war offenbar Wim Duisenberg, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB).
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Frankfurt am Main - Der Kurs des Euro ist am Montag wieder unter die 85-Cent-Marke gefallen. Zeitweilig notierte er bei Kursen um 0,847 US-Dollar - der niedrigste Stand seit drei Wochen. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 0,8511 (Freitag: 0,8627) US-Dollar fest.

Analysten gaben Wim Duisenberg die Schuld. Der hatte gegenüber der Londoner "Times" gesagt, die sieben führenden Industrienationen (G-7) würden nicht zu Gunsten des Euro intervenieren, falls der Nahost-Konfllikt einen deutlichen Kursrückgang des Euro bewirken sollte. Eine derartige Intervention wäre "kaum zu verteidigen".

Es sei unangebracht, in die Märkte einzugreifen, wenn externe Ereignisse zu extremen Schwankungen des Wechselkurses führten. Duisenberg lehnte zudem Überlegungen ab, Zentralbanken sollten auch eine Senkung der Leitzinsen erwägen, um den Folgen der hohen Ölpreise für das Wirtschaftswachstum entgegen zu steuern.

Das sei das falsche Signal, meinten Analysten. Die Märkte seien nun verunsichert, sagte Hans-Jürgen Meltzer von der Deutschen Bank Research. Daher müsse die EZB zu ihrem Wort stehen und intervenieren. "Die EZB wird sonst nicht ernst genommen", warnte Meltzer. Es sei ein Fehler, von vornherein eine Intervention auszuschließen. Meltzer erwartet ein neues Euro-Tief, da die Märkte die schwache Seite der Gemeinschaftswährung austesteten. Zudem schwäche die Nahost-Krise vor allem den Euro, da die USA von dem Öl aus der Region weniger abhängig seien und den Amerikanern eher zugetraut werde, den Konflikt zu lösen.

Händler bezweifelten, ob sich Duisenberg der Dimension seiner Aussagen bewusst sei. Nach Duisenbergs Worten sei es besser, den Euro zu verkaufen. Sollten der Euro seine Verluste zügig ausbauen, sei trotzdem mit weiteren Stützungskäufen zu rechnen, sagte ein anderer Händler.

Petra Köhler, Leiterin des Referats Konjunktur bei der Dresdner Bank, hält trotz der Aussage von Duisenberg eine Intervention zugunsten des Euro für möglich. "Ich interpretiere die Aussage nicht als endgültige Absage." Angesichts der positiven Wirtschaftsdaten aus der Eurozone rechnet sie zum Jahresende mit einem Eurokurs von 0,90 Dollar.