Tank & Rast Finanzinvestor macht Kasse
Hamburg - Die britische Beteiligungsfirma Terra Firma stockte die Schulden von Tank & Rast um mehr als ein Drittel auf und finanzierte damit die Sonderausschüttung an ihre Geldgeber in Höhe von rund 400 Millionen Euro, berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Finanzkreise. Damit hätten die Eigner von Tank & Rast bereits das 1,5 bis 2-fache ihres Einsatzes zurückerhalten. Gleichzeitig besitzen sie noch alle Firmenanteile. Tank & Rast und Terra Firma wollten sich dem Bericht zufolge nicht dazu äußern.
Die Briten hatten den Raststätten-Betreiber im November 2004 von einem Konsortium aus Apax, Allianz Capital Partners sowie Lufthansa übernommen. Finanzkreisen zufolge hatten sie damals rund 1,1 Milliarden Euro gezahlt und so den angekündigten Börsengang von Tank & Rast verhindert. Die frühere Eigentümer-Gruppe hatte das Unternehmen 1998 vom Bund übernommen.
Die Banken Royal Bank of Scotland, Société Générale und WestLB haben Tank & Rast dem "FTD"-Bericht zufolge mit 1,2 Milliarden Euro refinanziert. Das sei mehr als die 1,1 Milliarden Euro, die Terra Firma 2004 für das Unternehmen zahlte. Dabei bedienten sich die Institute eines Tricks: Angesichts der lang laufenden Konzessionen wird Tank & Rast nun nicht wie eine Private-Equity-Transaktion finanziert, sondern wie ein Infrastrukturprojekt. Das bedeutet günstigere Zinsen und niedrigere Tilgungsraten und ermöglicht so eine höhere Verschuldung.
Rekapitalisierungen von Portfolio-Firmen werden häufig von Finanzinvestoren angewandt, sind aber nicht unumstritten. Sie bergen die Gefahr, dass ein Unternehmen unter der Schuldenlast in Schwierigkeiten gerät - vor allem, wenn sich überraschend die Geschäftsentwicklung verschlechtert. So hatte sich die Beteiligungsgesellschaft Carlyle beim Autozulieferer Edscha 2005 eine solche Sonderausschüttung genehmigt. Zusammen mit der schwachen Autokonjunktur führte dies dazu, dass das Unternehmen mit Problemen kämpft und nun Stellen in Deutschland streicht.
Nun will die Bundesregierung das Management des ehemaligen Staatsbetriebs Tank & Rast kontaktieren, um das Verhalten von Terra Firma zu klären. Er wolle sich mit den Verantwortlichen des führenden Rast- und Tankstellenbetreibers an Autobahnen treffen, sagte der Tourismusbeauftragte der Regierung, Ernst Hinsken (CSU). Die Raststätten seien eine Visitenkarte Deutschlands. Neben Sauberkeit sei das dortige Preis-Leistungsverhältnis ein wichtiges Thema, sagte Hinsken.
tim/dpa-AFX/Reuters/dpa