Tankflugzeuge Boeing will US-Auftrag an Airbus stoppen
Washington - Boeing werde vor dem Government Accountability Office (GAO) formell gegen die Entscheidung protestieren und deren Revision beantragen, teilte ein Sprecher des Unternehmens gestern mit. Einzelheiten sollten erst nach dem Eingang des Protests bei der Behörde bekannt gegeben werden. Damit läge der Auftrag vorerst auf Eis.
McNerney sprach von einem "außergewöhnlichen Schritt" seines Unternehmens. Boeing sei nach wie vor der Ansicht, das bessere Angebot gemacht zu haben. Jetzt warte sein Unternehmen die Entscheidung der Rechnungsprüfer ab.
Die US-Luftwaffe hatte EADS vor zehn Tagen den Zuschlag für die Lieferung von 179 Tankflugzeugen des Typs KC-45A gegeben. Dem Airbus-Mutterkonzern gelang damit überraschend der Einstieg in den US-Rüstungsmarkt, den der Erzrivale Boeing beherrscht. Brancheninsider hatten die Entscheidung denn auch als Sensation gewartet. Das Pentagon hatte die Auftragsvergabe an EADS als Ergebnis eines fairen Wettbewerbs verteidigt.
Die EADS-Flugzeuge hätten den Vorzug erhalten, weil sie geeigneter seien: Sie seien größer als die von Boeing angebotenen Modelle und könnten mehr Treibstoff und mehr Passagiere transportieren, zudem hätten sie mehr Lazarettplätze. Außerdem würden die Airbus-Flugzeuge in den USA gemeinsam mit dem amerikanischen Partner Northrop Grumman gebaut. Northrop werde die Maschinen militärisch montieren, somit würden auch Arbeitsplätze in den USA geschaffen.
Proteste aus der Politik
Boeing beliefert die US-Streitkräfte seit 50 Jahren mit den Spezialflugzeugen. Die US-Luftwaffe hatte das Ausschreibungsverfahren nach einem Bestechungsskandal in Gang gesetzt, in dessen Folge ein Boeing-Spitzenmanager und eine Beschaffungsbeamtin der Luftwaffe ins Gefängnis mussten.
Gegen die Pentagon-Entscheidung hatten vor allem Politiker aus dem Bundesstaat Washington protestiert, wo Boeing produziert. Die Präsidentin des US-Abgeordnetenhauses, Nancy Pelosi, forderte eine Untersuchung durch den US-Kongress. Die Entscheidung werfe "ernsthafte Fragen auf", so müssten etwa die Auswirkungen auf die nationale Sicherheit der USA untersucht werden. "Mit Blick auf die Konsequenzen dieser Entscheidung für die Vereinigten Staaten muss die Luftwaffe dem Kongress erläutern, wie sie die langfristigen Bedürfnisse unserer Streitkräfte und des amerikanischen Volkes erfüllt."
EADS war eigens für die Ausschreibung eine Partnerschaft mit Northrop Grumman eingegangen, da das Verteidigungsministerium den Auftrag nur an Firmen vergeben wollte, die ihre Flugzeuge in den USA bauen. Der Wert des Auftrages liegt bei 35 bis 40 Milliarden Dollar. EADS-Chef Louis Gallois bezeichnete den Großauftrag für das Unternehmen als "Anlass, stolz zu sein". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach von einem "Riesenerfolg für Airbus und die europäische Luftfahrtindustrie".
mik/dpa-AFX/AFP