Tarif-Einigung Fluglotsen-Streik ist abgewendet
Stuttgart/Frankfurt - Der Streit um die Bezahlung der deutschen Fluglotsen ist beigelegt. Bei den Schlichtungsverhandlungen, die unter Leitung der ehemaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin stattfanden, haben die Deutsche Flugsicherung (DFS) und die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) einen Kompromiss erzielt. Der vor drei Wochen in letzter Minute abgewendete Lotsenstreik ist damit vorerst vom Tisch.
Die Tarifkommissionen der Flugsicherung und der Gewerkschaft müssen nun bis kommenden Donnerstag zustimmen. "Bis dahin werden keine Inhalte genannt", sagte GdF-Sprecher Marek Kluzniak. DFS-Sprecher Axel Raab erklärte, es handele sich nicht um einen Schlichterspruch, die Parteien hätten sich untereinander geeinigt. In der nächsten Woche solle das Ergebnis den Gremien vorgelegt werden. Ex-Ministerin Däubler-Gmelin sprach von einer "sehr komplexen Vereinbarung, die bei beiden Seiten an die äußerste Schmerzgrenze gegangen ist".
Die Gewerkschaft forderte für die 5300 Beschäftigten der Flugsicherung - darunter 1800 Lotsen - vier Prozent mehr Lohn sowie Einmal- und Ausgleichszahlungen für veränderte Gehaltsstrukturen von gut 10.000 Euro. Das Unternehmen bot vor Beginn der Schlichtung bisher drei Prozent mehr Gehalt und 1750 Euro Einmalzahlung. Zudem sollte eine Ausgleichszahlung für eine Neuordnung der Gehaltsstufen angeboten werden.
In dem seit Monaten dauernden Tarifstreit hatte die Flugsicherung erstmals Anfang Januar ein Angebot vorgelegt und wegen des drohenden Streiks umgehend die Schlichtung beantragt. Daraufhin musste die Gewerkschaft den Arbeitskampf abblasen. Der Streik sollte die beiden größten deutschen Flughäfen Frankfurt und München weitgehend lahmlegen. Dies hätte europaweit Flugausfälle und Verspätungen zur Folge gehabt.
Die Gewerkschaft will mit den neuen Tarifverträgen auch erreichen, dass die Beschäftigten nach der geplanten Privatisierung der Flugsicherung nicht schlechter dastehen als zuvor. Bundespräsident Horst Köhler hat das Gesetz zur Privatisierung im vorigen Herbst allerdings aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht unterzeichnet. Mit einem neuen Vorstoß der Regierung wird nicht vor Ende 2007 gerechnet.
mbe/dpa/rtr