Tarifabschluss IG Metall rettet die Pinkelpause
Böblingen - IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann sagte heute in Böblingen nach einer Sitzung der Tarifkommission, für die "ertragsreiche Metall- und Elektroindustrie" sei das Ergebnis tragbar. Mit der Wiedereinsetzung des Tarifvertrags über die fünfminütige Erholpause für Band- und Akkordarbeiter sei ein wichtiges Ziel der Tarifrunde erreicht worden. Die so genannte Steinkühlerpause setzt sich aus drei Minuten "Bedürfniszeit" und fünf Minuten "Erholzeit" je Arbeitsstunde für Fließband- und Akkordarbeiter zusammen. Die Arbeitgeber wollten die tarifliche Regelung der Pausenzeit abschaffen.
Die Große Tarifkommission sprach sich bei nur zwei Gegenstimmen für das mit den Arbeitgebern erzielte Verhandlungsergebnis aus. "Wir haben ein eindeutiges Votum erhalten", sagte Hofmann. Der Vertag gilt als beschlossen, wenn vom Arbeitgeberverband Südwestmetall bis zum 10. Mai keine Einwände kommen.
Mit dem Abschluss bekommen auch die 800.000 Beschäftigten im Südwesten ab Juni drei Prozent mehr Lohn. Für März, April und Mai wurde eine Einmalzahlung von 310 Euro vereinbart. Sie kann in Betriebsvereinbarungen in wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen verdoppelt, in angeschlagenen Unternehmen aber auch bis auf Null reduziert werden. Der Tarifvertrag umfasst auch Regelungen zur Altervorsorge und läuft bis Ende März 2007.
Hofmann sagte, die Gewerkschaft erteile mit diesem Abschluss der Doktrin einer nur an der gesamtwirtschaftlichen Produktivität orientierten Lohnpolitik eine klare Absage. "Die Arbeitgeber mussten zur Kenntnis nehmen, dass der Ausgleich der Preissteigerungsrate zwingend in einen Tarifabschluss muss." Der gefundene Tarifkompromiss sei "ein wichtiger Schritt, um die Kaufkraft und damit die Inlandskonjunktur wieder auf Trab zu bringen".
kaz/AP/AFP/dpa/ddp