Tarifeinigung: Top-Zuschlag für Piloten - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Tarifeinigung Top-Zuschlag für Piloten

Hans-Dietrich Genscher hat die Einigung zwischen der Lufthansa und ihren Piloten zuwege gebracht. In der Pressekonferenz ließ er aber seine Bedenken über die Höhe des Abschlusses deutlich durchklingen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Genscher sagte, es gebe keinen Sieger und keinen Besiegten; das Ergebnis sei für beide Seiten von Nutzen. Die Konsequenzen, die ein solch hoher Abschluss auch für andere Unternehmen haben könnte, sollten aber nicht übersehen werden.

Damit ist der bislang schwerste Tarifkonflikt bei der Lufthansa offenbar ausgestanden: Das am Freitag erzielte Schlichtungsergebnis sieht vor, dass die Piloten zusammengerechnet knapp 30 Prozent mehr Geld in diesem Jahr erhalten. In den beiden kommenden Jahren soll die Erhöhung dann geringer ausfallen. Die Pilotenvereinigung muss die Schlichtung noch in einer Urabstimmung von ihren Mitgliedern absegnen lassen.

Das Ergebnis der Abstimmung werde frühestens in drei Wochen vorliegen, sagte Cockpit-Sprecher Georg Fongern. Die Piloten hatten zuletzt 24 Prozent mehr Geld gefordert. Der Tarifvertrag soll insgesamt drei Jahre und drei Monate gelten. In diesem Jahr erhalten die rund 4200 Lufthansa-Piloten danach rund zwölf Prozent mehr Geld und zwei zusätzliche Monatsgehälter, wie Fongern und Lufthansa-Sprecher Klaus Walther erklärten.

In den beiden kommenden Jahren würden die Gehälter dagegen nur noch an die durchschnittliche Tarifentwicklung des Vorjahres angepasst, sagte Fongern. Dazu käme die Gewinnbeteiligung bis zu zwei Monatsgehältern, was einem Plus von rund 16 Prozent entspräche. 2002 erhielten die Piloten zusätzlich eine Gehaltserhöhung von 2,8 Prozent.

Kritik von Seiten der Gewerkschaften

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi kritisierte das Schlichtungsergebnis als Verletzung der Einkommensgerechtigkeit. Dem Unternehmen müsse klar sein, dass die Zugeständnisse nicht ohne Folgen für das Boden- und Kabinenpersonal bleiben dürften.

Cockpit-Verhandlungsführer Michael Tarp sagte, die Gewerkschaft habe ihre Ziele erreicht. Der Verhandlungsführer der Lufthansa, Stefan Lauer, betonte, das Ergebnis enthalte wie jede Schlichtung positive und auch stark belastende Elemente. So bestehe weiter die Sorge um die finanzielle Verkraftbarkeit und den Betriebsfrieden. Die Lufthansa bezifferte ihre Mehrkosten in diesem Jahr auf 230 Millionen Mark. Beide Seiten betonten übereinstimmend, dass der Tarifkampf ein einmaliges Ereignis bleiben sollte.

50 Prozent der Cockpit-Mitglieder müssen zustimmen

Für die Annahme des Schlichterspruches ist nach Aussage von Fongern eine Zustimmung von mindestens 50 Prozent der Piloten notwendig. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das erreichen", sagte er. Die Abstimmung werde in der kommenden Woche gestartet.

Die Schlichtung hatte am 28. Mai begonnen. Lufthansa und Cockpit hatten Genscher als Schlichter eingeschaltet, nachdem die seit Ende Februar geführten Tarifverhandlungen gescheitert waren.

Die Pilotenvereinigung hatte ihre Lohnforderungen damit begründet, dass die Gehälter der Flugkapitäne unter dem internationalen Durchschnitt lägen. Zudem hätten die Piloten bei der Sanierung der Lufthansa vor rund zehn Jahren Einkommenseinbußen von rund 30 Prozent hingenommen, die bisher nicht kompensiert worden seien. Vor Beginn der Schlichtung hatten die Piloten bereits drei Mal mit bis zu 24-stündigen Streiks ihren Forderungen Nachdruck verliehen.

Die Piloten der spanischen Fluggesellschaft Iberia scheinen sich unterdessen ein Beispiel an ihren deutschen Kollegen zu nehmen. An zehn Tagen zwischen Juni und August wollen sie mit einem Streik gegen die schleppenden Tarifverhandlungen protestieren und der Forderung nach höheren Gehältern Nachdruck verleihen. Dies teilte die Pilotengewerkschaft SEPLA am Freitag in Madrid mit. Der Ausstand soll am 19. Juni beginnen. Als weitere Streiktage wurden der 3., 10., 17. und 24. Juli sowie der 6., 13., 20., 27. und 31. August festgelegt.