Tarifkonflikt IG-Metall dehnt Warnstreiks aus
Hamburg - Ein Schwerpunkt war Norddeutschland, wo am Morgen zahlreiche Beschäftigte mit Trillerpfeifen und Transparenten Stellung vor den Betrieben bezogen. In Hamburg legten mit Beginn der Frühschicht um sechs Uhr unter anderem Beschäftigte der Traditionswerft Blohm & Voss die Arbeit nieder. Dort formierte sich ein Demonstrationszug mit rund 400 Teilnehmern.
Warnstreik bei Blohm & Voss: 60.000 Metaller im Ausstand
Foto: APDie IG Metall wollte ihre Arbeitskampfmaßnahmen am Dienstag auf ganz Deutschland ausweiten. Erstmals sind auch im Norden Zehntausende zu Warnstreikaktionen aufgerufen. "Wir erhoffen uns vom heutigen Tag, dass sich die Arbeitgeber endlich bewegen und ein vernünftiges Angebot machen", sagte Ina Vogel von der IG Metall Unterelbe. Auf dem Spielbudenplatz an der Hamburger Reeperbahn werden zehntausend Metaller zu einer Kundgebung erwartet. IG-Metall-Chef Berthold Huber will sie dort über die Marschroute im Tarifkonflikt informieren.
In Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und dem Saarland rechnet die Gewerkschaft am Dienstag mit rund 30.000 Teilnehmern, in Bayern sollen 20.000 Metaller befristet ihre Arbeit niederlegen.
Die Beschäftigten der Heidelberger Druck kämpfen außerdem um ihre Arbeitsplätze. Das Unternehmen hatte in der vergangene Woche drastische Sparmaßnahmen angekündigt und will fünfmal so viele Stellen abbauen wie zunächst geplant. Auch Kündigungen sind nicht mehr ausgeschlossen. Insgesamt sollen 2500 der 19.800 Arbeitsplätze gestrichen werden. Die Hauptlast soll dabei die im Inland angesiedelte Produktion tragen. Betroffen wären vor allem die beiden Hauptwerke Heidelberg und Wiesloch-Walldorf, wo zusammen 1400 Arbeitsplätze wegfallen sollen.
Kommt es nach der Warnstreik-Welle zu keiner Einigung, drohen unbefristete Streiks. Die Arbeitgeber bieten bisher 2,1 Prozent mehr Geld für 2009 und als Einmalzahlung 0,8 Prozent des Jahreseinkommens für die Monate November und Dezember 2008. Die IG Metall bezeichnet die Offerte als "Provokation".
In Mecklenburg-Vorpommern beteiligten sich seit fünf Uhr Hunderte Arbeitnehmer an den Aktionen. In der Wadan-Werft in Rostock-Warnemünde traten rund 400 Arbeiter in einen Warnstreik. In Sachsen-Anhalt legten 90 der 230 Mitarbeiter der Radsatzfabrik in Ilsenburg (Harz) für eineinhalb Stunden ihre Arbeit nieder. Auch in Thüringen gab es am Morgen befristete Arbeitsniederlegungen: Nach Angaben der IG Metall legten unter anderem die Arbeiter im Siemens Röntgenwerk in Rudolstadt und bei Bosch in Eisenach und Benshausen ihre Arbeit zeitweise nieder.
Im gemeinsamen Motorenwerk von Mitsubishi und Daimler in Kölleda folgte die Frühschicht dem Streikaufruf. Im Leipziger BMW-Werk traten rund 800 Beschäftigte kurzzeitig in den Ausstand. Er sehe keinen Grund, von der Forderung von acht Prozent mehr Lohn abzuweichen - auch wenn auf dem Automarkt eine Absatzflaute herrsche, sagte der Betriebsratsvorsitzende Jens Köhler.
Die Metall- und Elektroindustrie ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Mit dem Maschinenbau, der Automobilwirtschaft, der Elektroindustrie und anderen vereint sie wichtige, meist stark exportorientierte Branchen. Nach Angaben des Verbands Gesamtmetall erwirtschafteten 2007 die knapp 23.000 Betriebe mit ihren rund 3,6 Millionen Beschäftigten einen Umsatz von zusammen 947 Milliarden Euro - das sind knapp 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
mik/dpa/dpa-AFX