Tarifkonflikt: In der Stahlbranche droht Streik - DER SPIEGEL
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Tarifkonflikt In der Stahlbranche droht Streik

Die Tarifverhandlungen für die rund 85.000 Beschäftigten der westdeutschen Stahlindustrie sind in der vergangenen Nacht ergebnislos abgebrochen worden. Arbeitgeberverband Stahl und IG Metall hatten sich auch in der fünften Verhandlungsrunde nicht annähern können. Jetzt stehen die Zeichen auf Streik.
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Köln - Die Arbeitgeber hätten kein faires Angebot vorgelegt, erklärte der Verhandlungsführer der IG Metall, Detlef Wetzel, nach gut fünfstündigen Gesprächen in Gelsenkirchen. Das zuletzt leicht verbesserte Offerte der Gegenseite sei keine Grundlage für ein Tarifergebnis. Die Arbeitgeber hatten ihr ursprüngliches Angebot aufgestockt.

Nach Angaben ihres Delegationsmitglieds Volker Becher boten sie zuletzt 2,4 Prozent mehr Lohn und Gehalt über eine Laufzeit von 19 Monaten sowie eine Einmalzahlung von 800 Euro. Zunächst hatten sie Einkommensverbesserungen von 1,9 Prozent sowie einmalig 500 Euro vorgeschlagen. Das neue Angebot bedeutet durchgerechnet eine Tariferhöhung von knapp vier Prozent, sagte Becher. Damit liege man gar nicht so weit von der Maximalforderung der IG Metall entfernt. Dem hielt Wetzel entgegen: "Das Angebot bedeutet faktisch nur einen Inflationsausgleich." Die Gewerkschaft fordert 6,5 Prozent mehr Geld und begründet dies mit der derzeit sehr guten Geschäftslage der Stahlunternehmen.

Nach Angaben eines Gewerkschaftssprechers soll der Großen Tarifkommission heute das Scheitern der Verhandlungen erklärt und die Einleitung von Urabstimmungen vorgeschlagen werden. Über einen Streik solle am 11. Mai der Vorstand der IG Metall in Frankfurt entscheiden. Zuletzt hatte es in der westdeutschen Stahlindustrie 1978 einen Streik gegeben. In den seit der letzten Verhandlungsrunde vergangenen anderthalb Wochen hatte sich bereits rund die Hälfte der Stahlbeschäftigten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Bremen an Warnstreiks beteiligt.

Die deutschen Stahlwerke sind angesichts eines seit gut eineinhalb Jahren anhaltenden Booms derzeit noch voll ausgelastet. Durch den zunehmenden Lageraufbau der Kunden und durch gestiegene Stahlimporte in die EU sind die Preise jüngst aber leicht unter Druck geraten. Führende Stahlhersteller wie ThyssenKrupp oder Salzgitter haben deshalb mit Produktionskürzungen auf den Mengendruck reagiert. Ein Ende des Stahlbooms ist nach Einschätzung des deutschen Stahlverbands aber nicht in Sicht.