Tarifkonflikt Streikwelle erfasst Siemens
München - Nach Angaben der IG Metall wurden rund 9400 Mitarbeiter von Siemens , Infineon und Epcos aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. In ganz Bayern sollten rund 23.000 Beschäftigte an den Warnstreiks teilnehmen. Die Aktionen beenden die erste Warnstreikwelle, mit der die IG Metall ihre Forderungen nach 6,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt untermauert.
Etwa 1800 Teilnehmer werden zu einer Protestveranstaltung vor der Berliner Hauptverwaltung von Siemens erwartet. Die vierte Verhandlungsrunde von Gewerkschaft und Arbeitgebern war am Mittwoch ergebnislos auf den 29. April vertagt worden.
Vor dem Hintergrund der Warnstreiks hoffen die Tarifparteien weiterhin auf eine Lösung ohne Arbeitskampf. IG-Metall-Vize Jürgen Peters betonte den Willen zu einer Lösung am Verhandlungstisch. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser sagte: "Wir hoffen, uns am 15. April in Baden-Württemberg beim Entgeltrahmen weitestgehend anzunähern."
"In der Frage des Gesamtvolumens eines Abschlusses liegen noch Welten zwischen der Forderung der IG Metall und dem Zwei-Prozent-Angebot der Arbeitgeber", sagte der IG Metall-Bezirksleiter von Baden-Württemberg, Berthold Huber. Gesamtmetall-Chef Kannegiesser hält eine Lösung beim Gesamtpaket innerhalb der nächsten zehn Tage für sehr schwierig, aber nicht für unmöglich.
IG-Metall-Chef Klaus Zwickel bekräftigte seine Androhung von Streiks. "Entweder sehen wir bald Licht am Ende des Tunnels oder wir werden Ende April die Verhandlungen für gescheitert erklären und die Urabstimmung einleiten", sagte er auf einer Versammlung von 900 Delegierten aus VW-Unternehmen in Wolfsburg.
Die IG Metall fordert für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie ein Einkommensplus von 6,5 Prozent. Die Arbeitgeber haben je zwei Prozent für 2002 und 2003 angeboten. Zudem geht es um einheitliche Entgelte für Angestellte und Arbeiter.
Am Donnerstag legten allein in Nordrhein-Westfalen nach Gewerkschaftsangaben rund 50.000 Arbeitnehmer vorübergehend die Arbeit nieder oder beteiligten sich an Protesten. Schwerpunkt der Aktionen war Köln, wo sich vor den Ford-Automobilwerken rund 17.000 Metaller versammelten. In Bayern folgten mehr als 20.000 Beschäftigte dem Aufruf zu Warnstreiks. In Baden-Württemberg waren rund 18.000 Metaller im Ausstand. Der Wirtschaftsweise Jürgen Kromphardt empfahl einen Tarifabschluss mit einer Drei vor dem Komma. "Eine gute Marke wären 3,4 Prozent. Damit entstehen den Arbeitgebern keine unzumutbaren Kosteneffekte, und die Arbeitnehmer bekommen neue Kaufkraft für den Aufschwung", sagte der Experte der "Bild"-Zeitung.