Tarifkonflikt Tausende Metaller im Warnstreik
München/Frankfurt am Main/Nagold - Die IG Metall verschärft die Warnstreiks, um ihre Forderungen im Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie durchzusetzen. In mehreren Bundesländern traten zahlreiche Beschäftigte vorübergehend in den Ausstand.
An den Arbeitskampfmaßnahmen sollen sich heute Metaller im gesamten Bundesgebiet beteiligen. "Wir rechnen mit einigen zehntausend Teilnehmern", sagte eine Sprecherin der Gewerkschaft IG Metall in Frankfurt am Main. Betroffen seien Hunderte Betriebe.
Warnstreiks der IG Metall: Zehntausende im Arbeitskampf
Foto: DDPSchwerpunkt seien die Länder Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und das Saarland, in denen insgesamt 30.000 Beschäftigte zum Warnstreik aufgerufen sind. Auch in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen werden nach Ende der Friedenspflicht Tausende Metaller ihre Arbeit niederlegen.
Die IG Metall will bis zum kommenden Freitag Druck auf die Arbeitgeber ausüben, um ein höheres Angebot für die rund 430.000 Beschäftigten zu erreichen. Sie fordert acht Prozent mehr Lohn. Die Gewerkschaft lehnt die bisherige Offerte der Arbeitgeber von 2,1 Prozent mehr Einkommen für 2009 und 0,8 Prozent des Jahreseinkommens für die Monate November und Dezember dieses Jahres ab. Es sei eine "Provokation", dass den 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche nicht einmal der Ausgleich der Inflation angeboten werde.
In Bayern traten um Mitternacht Mitarbeiter von BSH Bosch und Siemens Hausgeräte in Dillingen sowie Beschäftigte des Automobil-Zulieferers Valeo in Wemding in der Nähe von Ingolstadt vorübergehend in den Ausstand. Laut Gewerkschaftsangaben ließen in Dillingen rund 50 und in Wemding rund hundert Beschäftigte ihre Arbeit ruhen. Beim Autozulieferer Helag im baden-württembergischen Nagold traten Mitarbeiter ihre Frühschicht nicht an. Aufgerufen waren rund 200 Mitarbeiter der Früh- und Normalschicht. In Waiblingen bei Stuttgart sollten Beschäftigte des Sägenherstellers Stihl vorübergehend ihre Arbeit niederlegen.
Die Tarifparteien im Südwesten treten am 11. November im Südwesten zu ihrer vierten Gesprächsrunde zusammen. Gibt es bis Mitte November keinen Durchbruch, kann die Gewerkschaft die Verhandlungen für gescheitert erklären und ihre Mitglieder zur Urabstimmung über einen unbefristeten Arbeitskampf aufrufen. Der letzte Streik fand im Jahr 2002 im traditionellen Pilottarifbezirk Baden-Württemberg und in Berlin-Brandenburg statt.
Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser hat unterdessen vor Streiks gewarnt. "Ein Streik, der wie vor 150 Jahren darauf ausgelegt ist, dem Betrieb Schaden zuzufügen, trifft letztlich alle, mit zeitlicher Verzögerung auch die Beschäftigten", sagte Kannegiesser der "Welt am Sonntag". In einer so vernetzten Branche wie der Metallindustrie habe sich der klassische Arbeitskampf überholt.
als/dpa/AP