Tarifkonflikt: Urabstimmung hat begonnen - DER SPIEGEL
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Tarifkonflikt Urabstimmung hat begonnen

Der Countdown läuft. In der deutschen Metall- und Elektroindustrie hat um Mitternacht die Urabstimmung über einen Streik begonnen.
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Stuttgart/Berlin - Während der Spätschicht folgten in Baden-Württemberg die ersten Metaller dem Aufruf der IG Metall. Im Tarifbezirk Berlin/Brandenburg sollte die Abstimmung über einen Arbeitskampf am Donnerstagmorgen mit der Frühschicht beginnen. Arbeitgeber und IG Metall zeigten sich zu Beginn der Urabstimmung noch einmal unnachgiebig.

Nach den gescheiterten Verhandlungen über höhere Einkommen für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche haben die gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer bis zum 30. April Zeit, ihr Votum abzugeben. Wenn mindestens 75 Prozent der Gewerkschafter zustimmt, könnte der Streik am 6. Mai beginnen. Zuletzt gab es einen Metaller-Streik 1995 in Bayern.

Von Donnerstag bis Dienstag sind rund 256.000 Mitglieder der IG Metall in 830 baden-württembergischen Betrieben zur ersten Urabstimmung seit 1984 aufgerufen. In Berlin/Bradenburg ist es die erste Urabstimmung über einen Metaller-Streik seit Kriegsende. Gewerkschaftsmitglieder in 177 Betrieben sind aufgerufen, über einen Arbeitskampf zu entscheiden. Hintergrund ist hier, dass die Gewerkschaftsforderung nach einer Angleichung der Ost-Tarifverträge ans West-Niveau unterstrichen werden soll. Die IG Metall geht mit ihrer ursprünglichen Forderung nach 6,5 Prozent höheren Einkommen in den Streik. Die Arbeitgeber hatten zuletzt 3,3 Prozent für 13 Monate angeboten.

Der baden-württembergische IG Metall-Bezirksleiter Berthold Huber machte neue Verhandlungen von den Arbeitgebern abhängig. Gespräche vor dem Beginn eines möglichen Streiks strebe er nicht an. "Es sei denn, die Arbeitgeber lassen erkennen, dass sie einer fairen Beteiligung der Beschäftigten Tribut zollen", sagte Huber am Mittwoch in Stuttgart. Dazu sei ein deutlich verbessertes Angebot nötig.

Dies schloss der Präsident von Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, in einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt" aus. "Ich halte es nicht mehr für möglich, einen Streik abzuwenden", sagte er. Kannegiesser hält dagegen eine Schlichtung für sinnvoll: "Meiner Ansicht nach kann nur noch ein neutraler Schlichter helfen."

IG Metall-Vize Jürgen Peters hat einen harten Kurs im Zuge möglicher Streiks angekündigt. "Wir wollen die gesamte Branche empfindlich treffen", sagte Peters dem "Mannheimer Morgen". Eine Schlichtung lehnte er erneut ab. "Wir liegen soweit auseinander, dass ich mir nicht vorstellen kann, wie uns ein Schlichter auch nur annähernd zusammenbringen kann."