Tarifkonflikte Klinikärzte weiten Streik aus
Berlin/Stuttgart - Die Ärzte-Gewerkschaft Marburger Bund rief Mediziner in 26 Städten auf, ihre Arbeit niederzulegen. Dies ist die höchste Zahl seit Beginn des Ausstands vor dreieinhalb Wochen. Parallel findet in der Kölner Innenstadt ein Demonstrationszug statt, zu dem viele hundert Klinikärzte aus dem gesamten Bundesgebiet erwartet werden.
Bei einer Kundgebung wollen der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank-Ulrich Montgomery, und Bundesärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe sprechen. Der Marburger Bund fordert von der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) für die 22.000 Ärzte an Unikliniken und Landeskrankenhäusern ein um 30 Prozent höheres Grundgehalt, bessere Arbeitszeiten und einen arztspezifischen Tarifvertrag.
Gleichzeitig findet in Köln die dritte Verhandlungsrunde im Tarifstreit zwischen dem Marburger Bund und der Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) für die 70.000 Ärzte der Krankenhäuser in Trägerschaft der Städte und Kreise statt. Nach der vorherigen Verhandlungsrunde hatten die Ärzte die Gespräche als zäh bezeichnet und ein Scheitern nicht ausgeschlossen. Als Folge könnte auch auf die kommunalen Krankenhäuser eine Streikwelle zurollen.
Metaller-Verhandlungen gehen in die nächste Runde
Die Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie werden heute in zwei weiteren Bundesländern fortgesetzt. Während sie für Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf bereits in die fünfte Runde gehen, treffen sich die Vertreter beider Seiten für Sachsen-Anhalt in Barleben bei Magdeburg zum dritten Mal.
Die IG Metall fordert für die bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten fünf Prozent höhere Entgelte und verleiht ihrer Forderung seit dem Ende der Friedenspflicht bereits mit bundesweiten Warnstreiks Nachdruck. Zudem droht sie mit regulären Streiks nach Ostern.
Die Arbeitgeber legten in der vergangenen Woche in Düsseldorf und in Stuttgart erstmals ein konkretes Angebot von 1,2 Prozent sowie betriebsabhängigen Einmalzahlungen vor. Das wurde von der IG Metall als zu niedrig abgelehnt. In den Verhandlungen für Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Saarland, Hessen und Niedersachsen, in denen die Arbeitgeber gestern das gleiche Angebot unterbreiteten, gab es ebenfalls keine Annäherung.
Urabstimmung im Öffentlichen Dienst
Beim Arbeitskampf im Öffentlichen Dienst veröffentlicht die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di heute in Stuttgart das Ergebnis der Urabstimmung zur Annahme der Tarifeinigung und zur Beendigung des Streiks in den Kommunen. Die Gewerkschaft rechnet mit einer sehr hohen Zustimmung zum Abschluss für die 220.000 Beschäftigten. Er sieht die 39-Stunden-Woche für alle Mitarbeiter vom 1. Mai an vor. Die Auszubildenden im Kranken- und Altenpflegebereich behalten die bisherige Arbeitszeit von 38,5 Stunden. Für eine Annahme des Ergebnisses sind mindestens 25 Prozent der abgegebenen Stimmen notwendig.
Am 2. Februar hatten 94,68 Prozent der Ver.di-Mitglieder in mehr als 200 Betrieben für den Arbeitskampf gestimmt, um die 38,5-Stunden-Woche zu erhalten. Die Urabstimmung für ein Ende des Streiks findet in denselben Dienststellen und Betrieben statt. Außerdem läuft die sogenannte Erklärungsfrist aus. Wenn keiner der beiden Tarifvertragsparteien bis zu diesem Tag etwas Gegenteiliges erklärt, gilt der neue Arbeitszeittarifvertrag. Beim Kommunalen Arbeitgeberverband Baden-Württemberg hatten alle entscheidenden Gremien bereits für die Neuregelung gestimmt.
suc/Reuters/ddp/dpa