Tarifkonflikte Streit der Metaller spitzt sich zu
Berlin - Heute gingen sowohl in Nordrhein-Westfalen als auch in Sachsen-Anhalt Arbeitgeber und Gewerkschafter der Metall- und Elektroindustrie wie erwartet ohne Einigung auseinander. Bereits gestern waren die Verhandlungen für Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Saarland, Hessen und Niedersachsen ergebnislos beendet und auf die Woche nach Ostern vertagt worden.
Ein Streik scheint immer wahrscheinlicher. Die IG Metall fordert für die bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten fünf Prozent höhere Entgelte. Die Arbeitgeber bieten 1,2 Prozent mehr Geld sowie betriebsabhängigen Einmalzahlungen. Die Forderungen scheinen einfach zu weit auseinander zu liegen - und die Metaller sind wütend. Auch heute fanden parallel zu den Verhandlungen in mehreren Bundesländern erneut Warnstreiks und Protestaktionen statt. Daran beteiligten sich nach Angaben der IG Metall bis zum Nachmittag rund 90.000 Beschäftigte aus 810 Betrieben.
Morgen Vormittag werden die Tarifverhandlungen für die mehr als 700.000 Beschäftigten der bayerischen Metallindustrie wieder aufgenommen. Auch im Bezirk Osnabrück/Emsland gibt es neue Gespräche. Für den Nachmittag hat die IG Metall Baden-Württemberg eine Pressekonferenz in Leinfelden-Echterdingen anlässlich der Sitzung der großen Tarifkommission angekündigt.
Große Mehrheit für Streikende in Baden-Württemberg
Im Öffentlichen Dienst ist in Baden-Württemberg unterdessen zumindest auf kommunaler Ebene das Kriegsbeil von Arbeitnehmerseite aus endgültig begraben worden. Wie die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di mitteilte, sprachen sich nach dem neunwöchigen Streik bei einer Urabstimmung 68,7 Prozent der stimmberechtigten Gewerkschaftsmitglieder für ein Ende des Arbeitskampfes aus. Damit wurde das notwendige Quorum von 25 Prozent weit übertroffen.
Mit dem Abstimmungsergebnis ist der Tarifkompromiss für die über 200.000 Beschäftigten der baden-württembergischen Kommunen unter Dach und Fach. Die Vereinbarung zwischen Ver.di und dem Kommunalen Arbeitgeberverband Baden-Württemberg (KAV) sieht vor, die Arbeitszeit von bislang 38,5 Stunden auf 39 Stunden pro Woche zu erhöhen. Nur für Auszubildende gilt weiterhin die 38,5-Stunden-Woche. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit bis Ende 2009.
Die Ver.di-Landesvorsitzende Sybille Stamm sprach von einem "ehrlichen Ergebnis" der Urabstimmung. "Zu mehr hat unsere Kraft nicht gereicht", betonte sie. Die Nein-Stimmen hätten sich insbesondere gegen die so genannte Meistbegünstigungsklausel gerichtet, nach der andere Tarifabschlüsse mit längeren Arbeitszeiten auf die baden-württembergischen Kommunen übertragen werden können.
Viele hätten Angst, dass der Streik umsonst war, falls im Tarifkonflikt zwischen Ver.di und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) die Arbeitszeit stärker erhöht werden sollte.
Dem Kompromiss war ein Monate langer Verhandlungsmarathon mit mehreren gescheiterten Tarifrunden und einem geplatzten Schlichtungsverfahren vorausgegangen. Die Gesamtzahl der Streikenden in Baden-Württemberg bezifferte Ver.di auf über 30.000. Pro Tag hätten mindestens 4000 Beschäftigte die Arbeit verweigert. Zu den Kosten des Streiks wurden keine detaillierten Angaben gemacht.
ase/ddp