Tarifpoker: "Harte Verhandlungen" bei Volkswagen - DER SPIEGEL
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Tarifpoker "Harte Verhandlungen" bei Volkswagen

Die dritte Runde der VW-Tarifverhandlungen am Dienstag hat kaum Forschritte gebracht. Die IG Metall bezeichnet die Gespräche als "sehr hart". Das Management übt seinerseits scharfe Kritik an den Protestaktionen vom Vortag in mehreren Werken.
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Hannover - Die IG Metall hat die Tarifverhandlungen mit der Volkswagen AG   als "sehr hart" bezeichnet. "Volkswagen holt offensichtlich in den Verhandlungen den Knüppel heraus", sagte Verhandlungsführer Hartmut Meine am Dienstag in Hannover vor 4000 protestierenden VW-Mitarbeitern.

"Das lassen wir uns nicht gefallen. Wir wehren uns", fügte er hinzu. Die Gewerkschaft sei mit klaren Forderungen in die Verhandlungen gegangen, der Konzern habe mit einem Sieben-Punkte-Katalog reagiert, der "sich gewaschen habe und nicht akzeptiert" werde.

Aber es gibt auch Grund zum Hoffen: VW erklärte sich nach Worten von Meine bereit, das Thema Arbeitsplatzsicherung in einem Tarifvertrag zu regeln. Im Gegenzug habe sich die IG Metall bereit erklärt, sich dem Thema Kostensenkung zu öffnen.

Dabei wolle die Gewerkschaft dem Wolfsburger Konzern allerdings keinen "Blankocheck" für Einsparungen ausstellen, sagte Meine im Anschluss an die mehrstündigen Verhandlungen. Die Verhandlungen sind nach IG-Metall-Angaben auf den 21. Oktober vertagt worden.

Arbeitgeber kritisieren Proteste

Bereits zum Auftakt zeigte sich VW-Verhandlungsführer Josef-Fidelis Senn optimistisch, dass es beim Kernstreit um Jobgarantien für die westdeutschen Beschäftigten Fortschritte geben könne. Scharf kritisierte Senn die Protestaktionen am Montag an mehreren VW-Standorten. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gelte noch die Friedenspflicht, sagte er. Aktionen mit Arbeitsniederlegungen seien illegal.

Dennoch demonstrierten am Nachmittag nach Gewerkschaftsangaben rund 4000 Beschäftigte, überwiegend Auszubildende aus allen sechs westdeutschen Werken, vor dem Verhandlungsort in Hannover. Sie forderten, nach dem Ende ihrer Lehrzeit von dem Unternehmen übernommen zu werden.

Die Forderungen der Tarifparteien

Die IG-Metall fordert neben der Arbeitsplatzgarantie vier Prozent mehr Lohn und Gehalt für die 103.000 Beschäftigten in den sechs westdeutschen Werken des Automobilherstellers, die nach dem Haustarifvertrag bezahlt werden. Die Gewerkschaft hat diesbezüglich jedoch Kompromissbereitschaft signalisiert, sollte VW einer Arbeitsplatzgarantie zustimmen.

Die VW-Führung will unter anderem eine Nullrunde für zwei Jahre durchsetzen und strebt generell ein neues Vergütungssystem ein. Zudem will das Unternehmen nicht mehr alle Auszubildenden übernehmen, sondern nur noch so viele, wie der Konzern benötigt. VW will generell die Personalkosten bis 2011 um 30 Prozent reduzieren.

Die Tarifverträge waren Ende September ausgelaufen. In der letzten Tarifrunde im September 2002 hatten sich beide Seiten auf eine Lohnerhöhung um 3,1 Prozent für das erste Jahr und um 2,6 Prozent für das zweite Jahr geeinigt. Die gesamte VW-Gruppe einschließlich Audi und anderer Töchter beschäftigt in Deutschland mehr als 176.000 Menschen. Die 103.000 westdeutschen VW-Arbeiter verdienen 20 Prozent mehr als ihre ostdeutschen Kollegen, die nach dem Metall-Flächentarifvertrag bezahlt werden.

Der VW-Konzern wird unterdessen in seinem Wolfsburger-Werk in den kommenden Jahren weniger investieren als ursprünglich geplant. Bei der Überarbeitung der langfristigen Planung der Jahre 2005 bis 2009 für das Werk Wolfsburg sei die Summe von 1,9 Milliarden auf 1,5 Milliarden Euro gesunken, sagte ein VW-Sprecher am Dienstag.