Tarifrunde '84 - DER SPIEGEL
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Tarifrunde '84

Von Daniel Doppler
• aus DER SPIEGEL 13/1981
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Jahresbeginn 1984: Die Situation ist wieder da. Arbeitgeberpräsident von Brauchitsch erklärt im Fernsehen: »Der Gürtel muß ins letzte Loch.« Eine Gruppe von 17 Wirtschaftsprofessoren errechnet, daß ein optimaler Lohnabschluß zwischen 0,3 und 0,35 Prozent liegen müßte. Kurt Biedenkopf bescheinigt den Wissenschaftlern »hohe Sach-Intelligenz«.

Der Präsident von Gesamtmetall berichtet von einer Japan-Reise: Toyota habe gerade den letzten Bandarbeiter durch einen Roboter der Marke Kawasaki ersetzt.

Auf dem Dreikönigstreffen der FDP legt Parteichef Lambsdorff einen Geheimbericht vor: Die Produktionskosten in Sri Lanka und auf den Philippinen liegen weit unter den japanischen.

IG-Metall-Chef Steinkühler: »Der Graf redet zuviel.« Rentner Heinz Oskar Vetter, der große alte Mann des DGB, wird deutlicher: Lambsdorff solle sich mal an die eigene Nase fassen, »sonst tu ich das«.

Baden-Württembergs Metall-Arbeitgeberchef Stihl hält Lohnerhöhungen von »mehr als 0,5 Prozent für absolut tödlich«. In Stuttgart demonstrieren Daimler-Beschäftigte: »0,8 oder es kracht«.

Gesamtmetall-Chef Thiele gibt in der ZDF-Sendung »Bilanz« ein Interview: »Diesmal geht es ums Ganze.« Steinkühler bittet einen ARD-Vertreter ins Stuttgarter IG-Metall-Haus: »Wenn wir verlieren, geht's erst richtig los.« Mannesmann-Chef Overbeck wird im SPIEGEL zitiert: »Oh, ja.«

Die IG Metall verfeinert die Strategie der »neuen Beweglichkeit«. 500 Beschäftigte des Emdener VW-Werkes demonstrieren in der Münchner Innenstadt. In Hannover stürmen mehrere hundert BMW-Arbeiter während eines Fußballspiels auf den Rasen des Niedersachsen-Stadions.

Das Düsseldorfer »Handelsblatt« berichtet von einer »promilleweisen Annäherung« der Tarifpartner. Thiele und Steinkühler dementieren aufs schärfste.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuß-Gaststätten (NGG) schließt in Hamburg mit dem Arbeitgeberverband einen neuen Tarifvertrag ab. Lohnzuschlag: 0,5 Prozent. Wütende Proteste bei anderen Gewerkschaften. DGB-Chef Günter Döding, vormals NGG-Vorsitzender, klärt auf. In Wahrheit liege der Abschluß bei 0,7 Prozent. In einer geheimen Zusatzvereinbarung sei den Arbeitnehmern Freibier zugesichert.

Von Kollegen der IG Chemie wird den NGG-Funktionären »bedenklicher Syndikalismus« vorgeworfen. Das »Handelsblatt« kommentiert: »Das ist die Trennung vom Tisch, aber nicht vom Bett.«

Der linken Berliner »Tageszeitung« wird anonym ein Päckchen zugeschickt. Inhalt: Tonbandaufzeichnungen eines abgehörten Telephongesprächs zwischen Thiele und Steinkühler vom Silvesterabend. Darin Thiele: »Wie wäre es mit 0,6 und ein bißchen was für die unteren?« Steinkühler: »Okay, aber 0,65 sollten es schon sein.« Thiele: »Machen wir ...«

Unter Berufung auf Informationen des Bundesnachrichtendienstes bestätigt die »Welt« die Echtheit des Tonbands.

Der soziale Friede in Deutschland bleibt weiter gewahrt.

Daniel Doppler
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