Tarifrunde IG Metall fordert acht Prozent
Frankfurt am Main - Die Zahl steht bereits seit einigen Wochen im Raum. Alle Gewerkschaftsbezirke hatten sich dafür ausgesprochen, die vom Vorstand empfohlene Bandbreite zwischen sieben bis acht Prozent voll auszureizen. Die regionalen Verhandlungen mit den Arbeitgebern sollen Anfang Oktober beginnen. Jetzt hat der Bundesvorstand diese Forderung - die höchste seit 16 Jahren - beschlossen.
Maschinenbau: Gerechtigkeitslücke schließen
Foto: DPADie IG Metall begründet ihre Tarifforderung mit dem hohen Preisanstieg und dem gesamtwirtschaftlichen Produktionszuwachs. Die Forderung dient aber auch dazu, die empfundene Gerechtigkeitslücke angesichts stark gestiegener Gewinne und Managergehälter zu schließen.
Die von den Bezirken aufgestellte Forderung von acht Prozent mehr Lohn sei weiter angemessen, hatte IG-Metall-Chef Berthold Huber am Dienstag im ZDF unmittelbar vor der Sitzung des Bundesvorstands gesagt. Bislang könne noch niemand abschätzen, wie sich die Finanzkrise auf die Realwirtschaft auswirken werde. "Es kann ja nicht sein, dass hier die Banken spekulieren und Finanzhaie spekulieren über alle Maßen hinweg, und am Ende müssen die einfachen Leute wieder die Zeche bezahlen", sagte Huber.
Die Arbeitgeber haben die Forderungsempfehlung bereits als zu hoch zurückgewiesen. Gesamtmetall-Chef Martin Kannegiesser attackierte die Gewerkschaft am Dienstag noch einmal frontal: "Die IG Metall hat nicht alle Tassen im Schrank", sagte er der "Stuttgarter Zeitung". Die Gewerkschaft begründe nur die Hälfte ihrer Forderung mit Fakten, die andere Hälfte werde mit Gefühlen gerechtfertigt, sagte Kannegiesser. Er warf der Gewerkschaft mangelnde Flexibilität vor, da sie die wirtschaftliche Entwicklung ignoriere. Wie Unternehmen müssten sich auch moderne Gewerkschaften an ein verändertes Umfeld anpassen. Die IG Metall aber bleibe stur bei dem, was den Wünschen eines Teils der Basis entspreche, kritisierte er.
Kannegiesser warf der Gewerkschaft vor, mit der Gerechtigkeitsdebatte großen Schaden anzurichten. "Sich ausgerechnet die Metall- und Elektroindustrie als Beispiel für Ungerechtigkeit auszusuchen, ist nicht nachvollziehbar", betonte Kannegiesser. "Bei uns kann man objektiv nicht davon reden." Kannegiesser warnte zugleich vor Streiks: "Wir lassen uns nicht erpressen", sagte er. "Ein Arbeitskampf fällt früher oder später als Bumerang auf die Gewerkschaft zurück: Die Betriebe verlieren Kunden, Aufträge, Beschäftigungschancen."
mik/Reuters/AFP