Tarifstreit Ärzte weiten Streiks aus
Düsseldorf - Die Arbeitgeber müssten ihr Angebot verbessern, sagte Verhandlungsführer Lutz Hammerschlag heute in Düsseldorf, wo am Nachmittag die Tarifparteien die Verhandlungen wieder aufgenommen hatten. Ein Abschluss dürfe nicht unter dem Ergebnis liegen, das der Marburger Bund für die Ärzte an den Uni-Kliniken erreicht habe. Dort waren Gehaltssteigerungen von 16 bis 17 Prozent vereinbart worden. Auch die Arbeitsbedingungen der Ärzte müssten verbessert werden.
Der Verhandlungsleiter der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), Otto Foit, betonte dagegen erneut, die Forderungen des Marburger Bunds seien inakzeptabel. Die Arbeitgeber hätten bereits mit ihrem am Vortag vorgelegten Angebot die Schmerzgrenze erreicht.
Beide Parteien hatten bis in den frühen Dienstagmorgen rund 16 Stunden lang über die Offerte der Arbeitgeber verhandelt. Die Gespräche waren aber erneut ohne konkretes Ergebnis vertagt worden und standen in der Nacht zeitweise kurz vor dem Scheitern. Mitglieder der VKA-Delegation hatten gesagt, die Gesprächsatmosphäre sei giftig gewesen. Sie warfen dem Marburger Bund vor, den "Hals nicht voll genug" bekommen zu können. Diese wiesen den Vorwurf zurück.
Das Angebot sehe unter anderem vor, die Gehälter der Assistenzärzte um 600 Euro und die der Fachärzte um bis zu 500 Euro im Monat zu erhöhen, hatte Foit gesagt. Der Marburger Bund hatte das als "Mogelpackung" abgewiesen. Foit räumte ein, dass das Angebot der Arbeitgeber unter dem Abschluss der Uni-Kliniken liege. Doch schon damit sei für die Kommunen die finanzielle Schmerzgrenze überschritten.
Der Marburger Bund droht, im Falle eines Scheiterns der Gespräche seine seit knapp drei Wochen andauernden Streiks weiter auszuweiten und dann Verträge mit den einzelnen Kliniken auszuhandeln. Dies werde das Ende des Flächentarifvertrags mit den kommunalen Arbeitgebern bedeuten, hatte Hammerschlag angekündigt. Die Verhandlungen hatten nach längerer Pause am Freitag in Düsseldorf wieder begonnen. Sie waren immer wieder vertagt und unterbrochen worden. Beide Parteien mussten angesichts des Gesprächsmarathons bereits mehrfach die Hotels wechseln.
Der Gewerkschaft zufolge legten heute rund 10.300 der bundesweit 70.000 Ärzte an kommunalen Krankenhäusern ihre Arbeit nieder. 65 Städte in sieben Bundesländern waren betroffen, bislang war den Angaben zufolge in fünf Ländern gestreikt worden. Betroffen sind vor allem Städte in Bayern und Baden-Württemberg, sowie einzelne Kliniken in Nordrhein- Westfalen, Niedersachsen, Bremen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.
kaz/Reuters