Tarifstreit: Bahn-Showdown im Spitzenrestaurant - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Tarifstreit Bahn-Showdown im Spitzenrestaurant

Dauerstreik oder Durchbruch? Bahn-Chef Mehdorn und Gewerkschaftschef Schell haben in einem Restaurant bei Frankfurt über eine Lösung im Tarifkampf verhandelt - und wollen an unbekanntem Ort weiterreden. Jetzt hoffen alle auf Zeichen der Entspannung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main - Einen Tag nach dem Spitzentreffen zur Lösung des verfahrenen Tarifstreits bei der Deutschen Bahn sind die Vorstände des Unternehmens und der Lokführergewerkschaft GDL erneut zusammengekommen. Die Gespräche wurden am frühen Nachmittag unterbrochen - ohne dass zunächst Ergebnisse bekannt wurden.

Der Hessische Rundfunk (HR) berichtete, dass Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und Bahn-Personalchefin Margret Suckale schon gegen Mittag ein Restaurant am Flughafen Egelsbach bei Frankfurt verlassen hätten, wo sie sich mit GDL-Chef Manfred Schell getroffen hätten. Die Bahn-Vertreter seien mit einem Kleinflugzeug abgereist. Mehdorn wurde etwas später bei den deutsch-italienischen Regierungskonsultationen in Meseberg bei Berlin gesichtet, an denen auch Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) teilnahm.

GDL-Sprecherin Gerda Seibert sagte, die GDL werde nach dem Ende des Gesprächs über den Verlauf der Verhandlungen informieren. Dies sei aber jetzt noch nicht der Zeitpunkt dafür. Berichten zufolge traf sich die GDL-Spitze zu internen Beratungen in einem Restaurant im Frankfurter Stadtteil Bornheim. SPIEGEL ONLINE erfuhr aus GDL-Kreisen, dass es aber noch keine Einigung gegeben habe. Mehdorn und Schell würden sich im Laufe des Abends erneut zu Gesprächen treffen. Den Ort des zweiten Treffens teilten Gewerkschaft und Bahn nicht mit.

Der Minister hatte Mehdorn und Schell gestern überraschend zu einem ersten Spitzentreffen in sein Ministerium gebeten. Danach rief er zum Streikverzicht auf. Dieses Ziel bekräftigte er auch heute: "Es geht darum zu verhindern, dass morgen unbefristete Streiks beginnen", sagte er auf N24. "Dazu gibt es heute Gespräche."

Transnet fordert neues Angebot der Bahn

Und diese Gespräche müssen enden mit einem Vertragsangebot, das eine solide Grundlage für Vertragsverhandlungen bietet. Wenn diese Verhandlungen beginnen, dann beginnt die Friedenspflicht. Und dann können Streiks ausgeschlossen sein", fügte Tiefensee hinzu.

Es gehe darum, ein tragfähiges Angebot vorzulegen. "Und das haben wir gestern intensiv besprochen", sagte der Minister. GDL-Chef Schell, Bahnchef Mehdorn und er hätten im Ministerium vom Nachmittag bis in den Abend hinein miteinander gesprochen. Er habe "vorsichtige Hoffnung, dass es gelingen könnte, dass die beiden, die ja immer noch auf sehr unterschiedlichen Positionen sind, so weit zusammenkommen, dass man zumindest verhandeln kann".

Für die GDL nahm an dem Treffen in Egelsbach neben Schell auch sein Stellvertreter Claus Weselsky teil, wie Gewerkschaftssprecher Maik Brandenburger sagte. Zu dem HR-Bericht über eine Abreise der Bahn-Spitzen äußerte sich der Sprecher nicht. Er verwies auf die angekündigte Stellungnahme nach Abschluss des Treffens.

Mehdorn ist nach Tiefensees Worten bei dem Treffen "bereit, einen Schritt auf die Lokführer zuzugehen und ein neues Angebot vorzulegen". Dies hatte die GDL seit langem als Bedingung für Verhandlungen gefordert.

Die Bahngewerkschaft Transnet forderte unterdessen, dass ein neues Angebot der Bahn an die GDL die Interessen aller Beschäftigten des Konzerns berücksichtigen sollte. Aus diesem Grund werde es für die Bahn problematisch sein, der GDL ein zweistelliges Angebot zu machen, sagte Transnet-Chef Norbert Hansen im ZDF.

Hansen wies auf den im Juli von Transnet und GDBA erzielten Tarifabschluss für 134.000 Bahnbeschäftigte über eine Erhöhung von 4,5 Prozent und eine Einmalzahlung von 600 Euro hin. Bestandteil dieses Tarifwerks ist eine Revisionsklausel, die die Gewerkschaften anwenden können, wenn die Bahn mit einer anderen Organisation bessere Konditionen vereinbart. Dann könne auch Transnet die Tarifverhandlungen wieder öffnen, betonte Hansen.

kaz/AP

Mehr lesen über