Tarifstreit Bahn und Lokführer verhandeln weiter
Frankfurt/Berlin- Am Morgen kam die gute Nachricht: Die Deutsche Bahn und die GDL setzen ihre Gespräche heute fort, sagte der Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft von Nordrhein-Westfalen, Frank Schmidt, in Dortmund der dpa. Die Gewerkschaft rechne mit einem neuen Angebot der Bahn.
"Es hat gestern kein Angebot gegeben, aber man ist auf einem guten Weg", sagte Schmidt. Ort und Zeit des Treffens nannte er nicht. Die Bahn wollte dazu am Morgen keine Stellung nehmen. "Wir haben Stillschweigen vereinbart", sagte ein Sprecher.
GDL-Chef Schell habe eine für den Vormittag geplante Rede bei einer Versammlung des GDL-Bezirks Nordrhein-Westfalen in Dortmund abgesagt, sagte Schmidt. "Die Gespräche mit dem Bahn- Vorstand sind im Moment wichtiger und zielführender."
Gestern Abend sah es nicht nach einer Einigung aus: Ohne Erklärung verließen der Bahn- und der Gewerkschaftschef die ehemalige Bahnzentrale in Frankfurt. Rund vier Stunden hatten Schell und Mehdorn Wege aus der Tarifkrise gesucht. Über den Verlauf der Gespräche wurden zunächst keine Details bekannt.
Einen Tag nach ihrem ersten Treffen bei Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) waren Mehdorn und Schell zunächst am Dienstagvormittag am Flugplatz Egelsbach bei Frankfurt zu einem weiteren Gesprächen zusammengekommen. Eine Unterbrechung am gestrigen Mittag nutzte Mehdorn offenbar, um sich mit Tiefensee zu besprechen. Dazu reiste er am Mittag ins Gästehaus der Bundesregierung nach Meseberg. Danach ging das Treffen in der ehemaligen Frankfurter Bahnzentrale weiter.
Tiefensee hatte tagsüber ein neues Angebot des Konzerns an die GDL in Aussicht gestellt. Transnet-Chef Norbert Hansen sagte am Abend, dieses werde seinen Informationen zufolge jetzt vorgelegt. Weitere Details nannte er aber nicht.
Merkel appelliert an Bahn und GDL
Bundeskanzlerin Angela Merkel rief Bahn und GDL zu einer schnellen Beilegung ihres Tarifstreits auf. Der Streik dürfe nicht bis Weihnachten dauern. "Die Positionen der Tarifpartner sind jetzt ausführlich ausgetauscht. Wir brauchen eine volle Konzentration der Verhandlungspartner auf eine zügige Einigung", sagte Merkel der "Bild"-Zeitung.
Hansen forderte, ein neues Angebot der Bahn an die GDL solle die Interessen aller Beschäftigten des Konzerns berücksichtigen. Aus diesem Grund werde es für die Bahn problematisch sein, der GDL ein zweistelliges Angebot zu machen. Er wies auf den im Juli von den Gewerkschaften Transnet und GDBA erzielten Tarifabschluss für 134.000 Bahnbeschäftigte über eine Erhöhung von 4,5 Prozent und eine Einmalzahlung von 600 Euro hin. Bestandteil dieses Tarifwerks ist eine Revisionsklausel, die die Gewerkschaften anwenden können, wenn die Bahn mit einer anderen Organisation bessere Konditionen vereinbart. Dann könne auch Transnet die Tarifverhandlungen wieder öffnen, sagte Hansen.
jul/dpa/AP