Tarifstreit der Metaller: Verhandlungen in Bayern geplatzt - DER SPIEGEL
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Tarifstreit der Metaller Verhandlungen in Bayern geplatzt

Im Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie stehen die Zeichen auf Sturm: Die Verhandlungen in Bayern sind geplatzt. Auch in Nordrhein-Westfalen stehen Arbeitgeber- und Gewerkschaftsvertreter kurz vor dem Abbruch der Gespräche - dabei hätte eine Einigung dort Symbolcharakter.
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München - Die Sitzung dauerte gerade mal eine halbe Stunde. "Wir werden dem Vorstand vorschlagen, das Scheitern zu erklären", erklärte der bayrische IG-Metall-Verhandlungsführer Richard Polzmacher anschließend. Eigentlich war die Zusammenkunft in Bayern nur noch eine Pflichtübung - das war allen Beteiligten klar. "Wir sind an einem Punkt angekommen, wo in den einzelnen Regionen nichts mehr geht", hatte Arbeitgeber-Verhandlungsführer Helmut Keese schon vorher offen erklärt. Es sei bundesweit vereinbart worden, auf eine Einigung in Nordrhein-Westfalen zu setzen.

Die Verabredung könnte sich als echtes Problem erweisen. Denn auch in Nordrhein-Westfalen stehen die Gespräche zwischen Arbeitgebern und IG Metall kurz vor dem Scheitern. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser äußerte sich schon am Morgen skeptisch. Man habe sich aufeinander zubewegt, aber "es hat noch nicht gereicht", sagte Kannegiesser im ARD- "Morgenmagazin". "Nun muss man es noch einmal versuchen, man muss alle Möglichkeiten ausschöpfen, das werden wir tun." Er hoffe, dass der Knoten am Freitag durchschlagen werde.

Dazu aber wird es vielleicht gar nicht mehr kommen. Denn möglicherweise werde die Tarifkommission schon morgen das Aus offiziell beschließen, teilte die IG Metall mit. Damit wäre eine Urabstimmung der Gewerkschaftsmitglieder über einen Streik praktisch sicher. Der IG-Metall-Vorstand werde dann auf seiner Klausurtagung am Montag oder Dienstag nächster Woche entscheiden, ob eine Urabstimmung über einer unbefristeten Streik eingeleitet werden, hieß es bei der Gewerkschaft.

Bei den Verhandlungspartnern gebe es keinen ernsthaften Einigungswillen. Bei der sechsten Tarifrunde hatten die Arbeitgeber entgegen ihrer Ankündigungen kein neues Lohnangebot auf den Tisch gelegt. Polzmacher bekräftigte, die Erwartungen der Beschäftigten lägen bei über drei Prozent mehr Geld.

Offiziell fordert die Gewerkschaft sogar fünf Prozent mehr Lohn, die Arbeitgeber wollen sich dagegen lediglich auf jeweils 1,2 Prozent in diesem und im nächsten Jahr sowie Einmalzahlungen von 0,6 Prozent in diesem und 0,4 Prozent im nächsten Jahr einlassen.

Begleitet wurden die heutigen Verhandlungen erneut von Warnstreiks. In Bayern traten nach Gewerkschaftsangaben rund 10.000 Beschäftigte von BMW, Knorr Bremse, BLW und Hurth Druck zu einer Kundgebung in Streik, um sich zu einer Kundgebung zu treffen. Auch in der der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie kam es zu Ausständen. Vor den Toren der Airbus-Werke in Stade und Hamburg-Finkenwerder versammelten sich bereits am Morgen ebenfalls die ersten Demonstranten.

ase/AFP/AP/dpa/Reuters