Tarifstreit Gewerkschaften stoppen Bahnstreiks
Berlin - Drei Tage Warn-Streiks und Chaos bei der Bahn haben Wirkung gezeigt: Konzernchef Hartmut Mehdorn hat den Gewerkschaften ein neues Angebot versprochen. Das erklärten die Arbeitnehmervertreter nach einem Treffen Mehdorns mit Transnet-Chef Norbert Hansen und GBDA-Chef Klaus-Dieter Hommel.
Die Gewerkschafter wollen den Streik jetzt solange aussetzen, bis sie das Angebot geprüft haben. In Gewerkschaftskreisen hieß es, die neue Offerte werde bis morgen früh um zehn Uhr erwartet. Von der Bahn war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten - das Unternehmen kündigte eine Pressekonferenz für 14 Uhr an.
Die Gewerkschaften erwarteten ein "deutlich verbessertes Angebot", sagte Transnet-Chef Hansen. Wenn es eine ausreichende Perspektive für den Abschluss der Tarifverhandlungen biete, würden die Streikaktionen auch morgen und in den folgenden Tagen ausgesetzt. Wenn das Angebot nicht ausreiche, werde der Arbeitskampf ausgeweitet. Morgen Vormittag werden die Verhandlungskommissionen beider Gewerkschaften tagen.
Transnet und GBDA fordern für die rund 134.000 Tarifbeschäftigten unter anderem sieben Prozent mehr Geld. Die Bahn hatte bislang zweimal zwei Prozent über eine Laufzeit von 30 Monaten sowie eine Einmalzahlung angeboten.
Am Morgen hatten Transnet und GBDA ihren Forderungen mit neuen Warnstreiks noch einmal Nachdruck verliehen. Mit Arbeitsniederlegungen in Stellwerken in Hessen und Rheinland-Pfalz sorgten sie für bundesweite Beeinträchtigungen im ICE-Verkehr, wie die DB mitteilte. Der ICE-Verkehr beginne sich zwar zu normalisieren, Verspätungen seien aber bis zum Mittwochnachmittag zu erwarten.
Laut Transnet beteiligten sich rund 1000 Beschäftigte an dem Ausstand. Betroffen von den Stellwerk-Warnstreiks waren laut Bahn die ICE-Strecken Hamburg-Kassel-München, Hamburg-Kassel-Frankfurt-Basel, Berlin-Braunschweig-Frankfurt-Basel, Berlin-Braunschweig-Stuttgart-München sowie Dresden-Leipzig-Frankfurt. Auf der linken Rheinseite konnten demnach für Stunden überhaupt keine Züge mehr fahren. Sie mussten über die rechte Rheinstrecke und Wiesbaden umgeleitet werden, was zu längeren Fahrzeiten führte, hieß es. Zwischen Mainz und Worms ruhte der Nah- und Fernverkehr komplett. Auch der Nahverkehr in Hessen und Rheinland-Pfalz war betroffen.
Die beiden Gewerkschaften hatten am Montag mit ihren Streikaktionen begonnen. Gestern schloss sich auch die Lokführer-Gewerkschaft GDL kurzfristig an - nachdem aber endlich separate mit der die Bahn für Donnerstag angesetzt wurden, verzichteten die Lokführer heute erneut auf Aktionen. Die Bahn hatte sich lange geweigert, allein mit der GDL zu reden, die deutlich höhere Tarifforderungen als die anderen beiden Gewerkschaften stellt.
ase/AFP/AP/dpa/ddp.