Tarifstreit Lokführer entscheiden über weitere Streiks
Frankfurt am Main - Wenige Stunden vor Ablauf des Ultimatums hat die Lokführergewerkschaft GDL noch kein neues Angebot der Bahn bekommen. Die GDL werde die Frist bis 15 Uhr abwarten, bevor sie ihr weiteres Vorgehen bekanntgebe, sagte GDL-Sprecherin Gerda Seibert heute in Frankfurt. "Die Hoffnung stirbt zuletzt."
Der Bahn-Vorstand hatte es mehrfach abgelehnt, im Tarifstreit mit den Lokführern ein verbessertes Angebot zu machen. Man werde sich von "Neinsagern" nicht erpressen lassen, hatte Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch vergangene Woche nach Bekanntwerden des Ultimatums gesagt. Das Ultimatum sei ein "durchsichtiges Ablenkungsmanöver", die Gewerkschaft wolle "nur von ihrem eigenen Durcheinander ablenken".
Seibert erklärte heute, der Bahn-Vorstand müsse wissen, dass er mit dieser Haltung neue Streiks provoziere. Die GDL darf bis auf weiteres nur den Nahverkehr bestreiken. Dies könnte sie von morgen an erneut tun, sagte Seibert.
Unklar ist, ob die GDL sich tatsächlich dazu entschließt, da Streiks im Nahverkehr wieder die Pendler träfen und das Verständnis der Bahnkunden für die Forderungen der Lokführer - einen eigenständigen Tarifvertrag mit höherer Bezahlung und besseren Arbeitszeiten - weiter sänke. Umfragen hatten ergeben, dass die Zustimmung der Kunden mit jedem weiteren Streik abnahm.
Am Freitag entscheidet das sächsische Landgericht in Chemnitz über die Zulässigkeit von Streiks im Fern- und Güterverkehr. In der GDL waren Forderungen laut geworden, diese Gerichtsentscheidung abzuwarten und im Falle einer positiven Entscheidung nur den Güterverkehr zu bestreiken.
kaz/dpa/AP