Tarifstreit: Lufthansa droht das Ferien-Desaster - DER SPIEGEL
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Tarifstreit Lufthansa droht das Ferien-Desaster

Hiobsbotschaft für Lufthansa-Fluggäste: Mitten in der Hauptreisezeit sind die Tarifverhandlungen für das Boden- und Kabinenpersonal geplatzt. Schon Ende Juli droht Streik. Der Konzern schlägt Alarm - wegen der hohen Ölpreise stecke die Branche ohnehin in der Krise.
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Frankfurt am Main - So richtig schlecht geht es der Lufthansa   noch nicht. Im ersten Quartal hatte die Airline gegen den Branchentrend ein Rekordergebnis vorgelegt. Trotzdem aber wirft Lufthansa-Verhandlungsführer Stefan Lauer der Gewerkschaft Ver.di unverantwortliches Handeln vor. "Dass Ver.di trotz Kenntnis der aktuellen Entwicklung in der Airline-Branche dennoch das Scheitern erklärt hat, ist nicht mehr nachvollziehbar", sagte Lauer.

Lufthansa-Maschinen am Flughafen München: Ver.di wirft Lufthansa mangelnden Einigungswillen vor

Lufthansa-Maschinen am Flughafen München: Ver.di wirft Lufthansa mangelnden Einigungswillen vor

Foto: REUTERS

Ver.di-Sprecher Harald Reutter sagte nach dem Scheitern der vierten Tarifrunde: "Bei Lufthansa war kein Einigungswille erkennbar." Das am Mittwoch nachgebesserte Konzern-Angebot habe zwar auf den ersten Blick gut ausgesehen. Es habe aber gerade einmal die Steigerung der Lebenshaltungskosten ausgeglichen und den Nachholbedarf der Beschäftigten nicht berücksichtigt.

Die Lufthansa hatte eine Erhöhung der Vergütung um 4,6 Prozent ab 1. Juli 2008 und um weitere 2,1 Prozent ab 1. Juli 2009 angeboten. Zudem sollten die Beschäftigungen spätestens mit dem August-Gehalt eine Einmalzahlung von ein Prozent einer Jahresvergütung bekommen. Der Tarifvertrag sollte 21 Monate bis zum 28. Februar 2010 laufen.

Ver.di fordert 9,8 Prozent mehr Lohn. Die Lufthansa habe versucht, in den Verhandlungen die Laufzeit der Vertrags über die 21 Monate hinaus zu verlängern, kritisierte Reutter zudem. Dem Gewerkschafts-Sprecher zufolge wird Ver.di Anfang kommender Woche die Urabstimmung einleiten. Sie dauere etwa zwei Wochen. Sollten die Mitarbeiter zustimmen, will Ver.di sofort mit Arbeitskampfmaßnahmen beginnen - theoretisch könnte es also schon am letzten Juli-Wochenende zu ersten Streiks kommen. "Wir rechnen mit sehr hoher Zustimmung", sagte der Ver.di-Sprecher.

Ein möglicher Streik in der Haupt-Reisesaison dürfte für die Lufthansa schmerzhaft sein. So flogen im vergangenen Jahr im Juli und August jeweils mehr als fünf Millionen Passagiere mit der Airline. Im Februar waren es dagegen nur 3,8 Millionen. Die Lufthansa-Aktie verlor am Donnerstag über zwei Prozent an Wert.

Laut Lufthansa wurden die Tarifgespräche für 34.000 Bodenmitarbeiter und für 14.000 Kabinenbeschäftigte geführt. Einer Einigung hätte neben Ver.di aber auch die Flugbegleitergewerkschaft UFO zustimmen müssen. Ver.di spricht von Verhandlungen für insgesamt 52.000 Beschäftigte. Die Gespräche waren nach 16 Stunden in der Nacht zum Donnerstag vertagt worden. Die Wiederaufnahme der Verhandlungen am Vormittag brachte keine Einigung.

Die Auseinandersetzung mit Ver.di und UFO sind zurzeit nicht die einzige Krisenregion im Konzern. Am Montag dieser Woche hatten bereits Piloten von CityLine und Eurowings mit einem eintägigen Streik bewirkt, dass 641 Flüge gestrichen werden mussten. Cockpit-Verhandlungsführer Thorsten Gommert sagte der Nachrichtenagentur AP am Donnerstag, die Lufthansa habe seit dem Streik kein verbessertes Angebot vorgelegt. "Derzeit herrscht eher Eiszeit." Falls es keine neue Offerte gebe, seien weitere Streiks abzusehen.

ase/AP/AFP