Tarifstreit: Metaller erhöhen den Druck mit Warnstreiks - DER SPIEGEL
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Tarifstreit Metaller erhöhen den Druck mit Warnstreiks

Im Tarifkonflikt in der deutschen Metall- und Elektroindustrie ist am heute Morgen die zweite Warnstreikwelle angelaufen. Schwerpunkt werden im Verlauf des Tages Betriebe im Südwesten und im Süden sein.
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Sindelfingen/Osnabrück/Berlin - Vor dem DaimlerChrysler-Werk in Sindelfingen werden über 20.000 Teilnehmer aus 30 Betrieben des Landes erwartet. In Bayern sollen knapp 30.000 Beschäftigte ihre Arbeit niederlegen. Besonders stark betroffen ist der Autobauer BMW.

In Norddeutschland kam es am Morgen in der Elberegion zu Aktionen von Beschäftigten mittelständischer Unternehmen. Im schleswig-holsteinischen Itzehoe versammelten sich Metaller zu einer Kundgebung. In Sachsen legt die IG Metall den Schwerpunkt auf den Autobauer Volkswagen. Gegen Mittag sollen wegen Kundgebungen vor dem Werkstor die Bänder im Chemnitzer VW-Motorenwerk und bei VW in Zwickau zum Stehen kommen.

In Baden-Württemberg, mit 800.000 Beschäftigten größter Metall-Bezirk, werden die Verhandlungen am 6. April in vierter Runde fortgesetzt. Die Gewerkschaft fordert für die bundesweit 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche fünf Prozent mehr Gehalt. Bisher war von Arbeitgeberseite eine Anhebung der Einkommen um 1,4 Prozent als akzeptabel bezeichnet worden.

Mit Ende der Friedenspflicht am Mittwoch nach Mitternacht hatten nach Gewerkschafts-Angaben 81.200 Metaller in 333 Betrieben die Arbeit kurzzeitig niedergelegt. Die bisher 30 Gesprächsrunden auf Bezirksebene waren ergebnislos geblieben. Die Arbeitgeber haben bisher noch kein Angebot für höhere Löhne und Gehälter gemacht; deuteten dies jedoch für die vierte Runde an. Bisher war von Arbeitgeberseite eine Anhebung der Einkommen um 1,4 Prozent als akzeptabel bezeichnet worden.

Einmalzahlungen gefährden Niedriglohn-Jobs

Der Verhandlungsführer der IG Metall im Südwesten, Jörg Hofmann, drohte unterdessen mit einer Urabstimmung über Streiks nach Ostern. Der "Financial Times Deutschland" sagte er: "Wenn vor Ostern kein Ergebnis steht, werden die Mitglieder und Funktionäre hier schnell sagen, wir können nicht mehr lange hin- und herreden. Für eine freie Verhandlungslösung ist nach Ostern nicht mehr allzu lange Zeit."

Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser will jetzt ein schnelles Ende der Tarifauseinandersetzung. Der Wochenzeitung "Die Zeit" sagte Kannegiesser: "Uns schwebt ein Mehrklang vor. Ein Grundentgelt für alle, dazu ein Leistungsentgelt je nach Berufsgruppe und eine Beteiligung am Betriebserfolg. Dazu könnte man etwa einen Teil der Einmalzahlung variabel gestalten."

Mit der Einmalzahlung gefährden die Metallarbeitgeber nach Ansicht des DIW allerdings ausgerechnet die Jobs im Niedriglohnbereich. Einmalzahlungen hätten den negativen Effekt, dass sie die Lohnspreizung weiter verringerten und vor allem den sowieso schwierigen Niedriglohnbereich übermäßig verteuerten, sagte DIW-Konjunkturexperte Karl Brenke der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Damit gäben die Arbeitgeber einfache Tätigkeit "zur Rationalisierung frei". Dies sei kontraproduktiv und sollte deshalb keinen Eingang in den Tarifvertrag finden.

Die massiven Warnstreiks der IG Metall dürften nach Meinung Brenkes kaum negative konjunkturelle Folgen haben. Die Produktionsausfälle würden nach allen Erfahrungen schnell wieder aufgeholt. Einen "gewissen konjunkturellen Dämpfer" könnte es nur dann geben, wenn die Tarifauseinandersetzung in einen großen Arbeitskampf münden sollte.

mik/dpa/ddp