Tarifstreit Streiks legen Karstadt lahm
Düsseldorf/Essen - Insgesamt mobilisierte die Gewerkschaft Verdi bundesweit viele Tausende Beschäftigte aus diversen Einzelhandelsbetrieben - am schwersten betroffen aber waren die Karstadt-Warenhäuser. Nach Gewerkschaftsangaben gab es in 41 Filialen kurzzeitige oder ganztägige Streiks. Teilweise blieben Filialen geschlossen, in anderen Städten wurde mit Notbelegschaften gearbeitet.
Allein in Nordrhein-Westfalen hätten rund tausend Menschen vorübergehend ihre Arbeit niedergelegt, erklärte ein Verdi-Sprecher in Düsseldorf. Verdi hatte die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern für die 440.000 Beschäftigten im nordrhein-westfälischen Einzelhandel am vergangenen Freitag für gescheitert erklärt.
1000 Euro minus pro Vollzeitstelle
Der KarstadtQuelle-Konzern erregt gleich in doppelter Hinsicht den Zorn der Gewerkschafter. Einerseits steht das Branchen-Schwergewicht stellvertretend für den gesamten Einzelhandel, dessen Arbeitgeberverbände HDE und BAG zuletzt Einkommensverbesserungen von 1,7 Prozent vorgeschlagen hatten. Dies sei eine Provokation, sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Franziska Wiethold bei einer Kundgebung in Hamburg. Die Gewerkschaft hatte eine Vorweganhebung der Löhne und Gehälter um 50 Euro und Tariferhöhungen um 3,7 Prozent gefordert.
Zugleich sind die Mitarbeiter empört über Pläne des Warenhauskonzerns, die freiwilligen Zulagen zu halbieren. Dies würde zu Einkommensverlusten von jährlich durchschnittlich 1000 Euro pro Vollzeitbeschäftigtem führen, erklärte Verdi. Nach umfangreichen Stellenkürzungen würden die Karstadt-Beschäftigten nun auch noch mit Streichungen bestraft, so Wiethold. "Das nehmen wir nicht länger hin" Die Gewerkschaft wolle vielmehr deutliche Reallohnsteigerungen in der laufenden Tarifrunde durchsetzen. Man werde die Streiks forcieren, wenn die Arbeitgeber ihre Position nicht veränderten, hieß es.
Ärger mit der Konjunktur
In Düsseldorf teilte KarstadtQuelle unterdessen mit, die Konjunkturflaute und die dadurch bedingten Verluste der Reisetochter Thomas Cook hätten den Konzern im ersten Quartal noch tiefer in die Verlustzone gezogen. Beim Ergebnis vor Steuern (EBT) verbuchte der Konzern im ersten Quartal nach eigenen Angaben einen Verlust von 120 Millionen Euro - nach einem Fehlbetrag von 80 Millionen im Vorjahresquartal.