Tarifstreit: Tausende Klinikärzte streiken - DER SPIEGEL
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Tarifstreit Tausende Klinikärzte streiken

Nach den Ärzten an den Unikliniken streiken nun die Mediziner an den kommunalen Krankenhäusern: Rund 7500 Ärzte legten heute in vier Bundesländern ihre Arbeit nieder. Sie fordern unter anderem mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. Die Ärztegewerkschaft sieht sich scharfer Kritik ausgesetzt.
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Frankfurt am Main - Schwerpunkt der Arbeitsniederlegungen in vier Bundesländern war heute Bayern, wie der Marburger Bund mitteilte. Außerdem gab es Streiks in Baden-Württemberg, Hessen und Schleswig-Holstein. Nach Angaben der Ärztegewerkschaft beteiligten sich rund 7500 Mediziner an dem Arbeitskampf. Ab Mitte der Woche sollen zusätzliche Kliniken in Bremen und im Saarland bestreikt werden.

An den betroffenen Häusern soll es außer in Notfällen lediglich eine Versorgung wie in der Nacht oder am Wochenende geben. Allerdings sollen bestimmte Bereiche wie Kinderkliniken herausgehalten werden. Der Marburger Bund fordert für die etwa 70.000 Ärzte unter anderem einen eigenen Tarifvertrag, 30 Prozent mehr Gehalt und bessere Arbeitsbedingungen. Sollten die Arbeitgeber sich nicht bewegen, will die Gewerkschaft die Aktionen ausweiten.

Die Vereinigung kommunaler Arbeitgeberverbände (VKA) lehnte die Gehaltsforderung der Mediziner als überzogen ab. VKA-Verhandlungsführer Otto Foit sagte in der ARD, die geforderte Erhöhung von 30 Prozent sei nicht erfüllbar. "Der Marburger Bund lässt uns die Wahl zwischen Pest und Cholera." Einerseits drohten Streikkosten, andererseits seien Gehaltserhöhungen nicht finanzierbar. Foit warnte vor erheblichen Benachteiligungen der Patienten, zumal die kommunalen Krankenhäuser für die Vor-Ort-Versorgung verantwortlich seien. "Ich glaube, dass sich der Marburger Bund mit dieser Aktion ins Abseits bewegt", sagte Foit.

"Eine aus dem Ruder gelaufene Gewerkschaft"

Ungewöhnlich scharfe Kritik kam auch von der Deutschen Krankenhausgesellschaft. "Der Marburger Bund ist eine aus dem Ruder gelaufene Gewerkschaft", erklärte die Organisation heute in Berlin. Mit ihrer "Maßlosigkeit" habe die Ärztegewerkschaft das sozialpartnerschaftliche Verhältnis in Deutschland aufs Spiel gesetzt. Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di kritisierte die Darstellung des Marburger Bundes, die Klinikärzte seien die am meisten ausgebeutete Berufsgruppe. Das Gegenteil sei der Fall, weil die Ärzte im öffentlichen Dienst die bestbezahlte Akademikergruppe seien.

Der Hauptgeschäftsführer des Marburger Bundes, Armin Ehl, sagte, dass auch die Finanzlage einzelner Klinken berücksichtigt werden soll. Auf keinen Fall werde man finanziell angeschlagene Kliniken gefährden, sagte Ehl im Sender n-tv. Die Aussage der kommunalen Arbeitgeber, dass eine Übernahme des Uniklinik-Abschlusses unbezahlbar sei, wies Ehl als "Polemik" zurück. Der Marburger Bund und die Arbeitgeber hatten den Tarifkonflikt bei den Uniklinik-Ärzten Mitte Juni beigelegt. Auch die Unikliniken hätten anfangs so argumentiert. Ehl betonte, dass man den Arbeitskampf relativ lange durchhalten könne.

Unterdessen kündigten die Ärzte an ostdeutschen Unikliniken an, trotz der Einigung zwischen Ländern und dem Marburger Bund für höhere Gehälter zu kämpfen. Die Ärztesprecherin der Universität Leipzig, Cordula Röhm, sagte, man wolle mit Demonstrationen auf die Einkommensunterschiede zwischen West und Ost aufmerksam machen. Sie forderte die Länder auf, die zwischen den Tarifparteien vereinbarte Öffnungsklausel zu nutzen.

kaz/AP