Tarifstreit: Wirtschaftsweiser Bofinger verlangt Lohnschub - DER SPIEGEL
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Tarifstreit Wirtschaftsweiser Bofinger verlangt Lohnschub

Die IG Metall will fünf Prozent mehr, die Arbeitgeber rufen zur Mäßigung auf: Heute beginnt die Tarifrunde der Metallbranche, der Wirtschaftsweise Bofinger schlägt zu Beginn einen Kompromiss vor. Derweil wird seit dem Morgen auch im Saarland gestreikt.
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Hamburg - Peter Bofinger, Mitglied des Sachverständigenrates, befürwortet gegenüber der "Berliner Zeitung" eine spürbare Anhebung der Löhne. Die Produktivitätsentwicklung in Deutschland sei mit der in den meisten anderen europäischen Ländern vergleichbar, sagte Bofinger. "Deshalb sollten bei uns auch die Löhne so stark ansteigen wie dort, und zwar um 2,5 bis 3 Prozent." Eine solche Lohnsteigerung würde die Kaufkraft der Bevölkerung wieder zunehmen lassen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen erhalten.

Bofinger mischt sich damit in die Tarifrunde für die 3,4 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie ein - sie beginnt heute mit regionalen Verhandlungen in Darmstadt. Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt für zwölf Monate. Die Arbeitgeber verlangen einen "kostenneutralen Lohnabschluss". Es wird mit einem langen und harten Tarifkonflikt gerechnet.

"Eine Lohnerhöhung von fünf Prozent würde die durchschnittlichen Arbeitskosten von 27,60 auf 29 Euro pro Stunde ansteigen lassen", warnt der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser in der "Rheinischen Post". Noch sei die Metall-Branche, zu der auch die Elektro- und Automobilwirtschaft zählen, dank ihrer Einbindung in die weltweiten Märkte "eine kräftige Wachstumslokomotive", sagte Kannegiesser weiter. "Aber die Preise unserer Produkte stagnieren seit Jahren, und Betriebe in immer mehr Ländern leisten Vergleichbares. Daher müssen wir in den Tarifverhandlungen die Kirche im Dorf lassen, wenn die Masse unserer Betriebe ihren Beschäftigungsstandard halten oder sogar ausbauen soll."

Streiks im Saarland, Urabstimmung in Sachsen

Unterdessen erreichte die Streikwelle im Öffentlichen Dienst heute nach Baden-Württemberg das Saarland. Am Universitätsklinikum in Homburg und beim Landesbetrieb für Straßenbau sind die Beschäftigten seit Mitternacht aufgerufen, auf unbestimmte Zeit ihre Arbeit niederzulegen. Nach Einschätzung der Gewerkschaft Ver.di werden sich dort 1500 Mitarbeiter an dem Streik beteiligen. Ver.di kämpft gegen eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit und gegen Kürzungen von Urlaubs- und Weihnachtsgeld bei den Landesangestellten.

In Sachsen begannen heute Morgen die Urabstimmung über Arbeitskämpfe im Öffentlichen Dienst. Hier fordert Ver.di die Übernahme des 2005 geschlossenen Tarifvertrags zwischen Bund, Kommunen und Gewerkschaft für die Landesbediensteten. In Baden-Württemberg setzten die kommunalen Beschäftigten ihren Streik fort. Der Schwerpunkt der Proteste wird heute in Mannheim und Karlsruhe liegen. Seit Montag streiken im Südwesten Tausende gegen eine Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 auf 40 Stunden und gegen Kürzungen von Zusatzleistungen.

kaz/dpa/ddp