Tarifverhandlungen Metaller einigen sich - Streik abgewendet
Pforzheim - Der Einigung zufolge erhalten die knapp 800.000 Beschäftigten im Südwesten Einkommenserhöhungen in zwei Schritten um 2,2 Prozent ab 1. März diesen Jahres und 2,7 Prozent ab 1. März nächsten Jahres bis Ende Februar 2006.
Damit hat der Tarifvertrag eine Laufzeit von 26 Monaten. Zugleich vereinbarten die Tarifparteien Möglichkeiten für Arbeitszeitverlängerungen in den Betrieben, denen die Gewerkschaft zustimmen muss, wenn dadurch Arbeitsplätze gesichert werden.
Mit ihrer weiter gehenden Forderung nach Optionen zur Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit von 35 auf bis zu 40 Wochenstunden auch ohne Lohnausgleich konnten sich die Arbeitgeber nicht durchsetzen. Die 35-Stunden-Woche bleibt wie von der Gewerkschaft gefordert Regelarbeitszeit.
Der Verhandlungsführer des regionalen Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, Otmar Zwiebelhofer, sagte im Anschluss an die Verhandlungen, damit hätten die Arbeitgeber die von ihnen angestrebte große Lösung nicht erreicht. Allerdings biete die Vereinbarung den Betrieben Möglichkeiten, durch Arbeitszeitverlängerungen ihre Kosten zu senken.
Gesamtmetall will Zwiebelhofer zufolge den anderen regionalen Arbeitgeberverbänden die Übernahme des Abschlusses empfehlen. Für Donnerstagnachmittag hat die IG Metall in Baden-Württemberg ihre Große Tarifkommission einberufen, die der Annahme noch zustimmen muss. Ein Streik hätte wegen der Zulieferstrukturen vor allem die Automobilindustrie getroffen.
In dem seit Dezember andauernden Tarifstreit hatten Tausende Metaller in den vergangenen zwei Wochen mit Warnstreiks schrittweise bundesweit ihren Druck auf die Arbeitgeber erhöht.
Im einzelnen sieht der Kompromiss vor, dass bei besonders qualifizierten Belegschaften die bisher geltende Quote, die bis zu 40 Stunden in der Woche arbeiten darf, von 18 auf bis zu 50 Prozent erhöht werden kann. Überdies kann für einzelne Arbeitnehmer-Gruppen oder Betriebsteile die Arbeitszeit auf bis zu 40 Stunden in der Woche verlängert werden, ohne dass Überstundenzuschläge anfallen.
Den Lohnabschluss bezeichnete Zwiebelhofer als eine "gewisse Last", der aber die gewonnenen betrieblichen Spielräume gegengerechnet werden müssten. "Die Tarifparteien wachen über betriebliche Abweichungen von Tarifnormen", sagte Zwiebelhofer. Die Gewerkschaft habe sich aber verpflichtet zuzustimmen, wenn dadurch in einem Betrieb die Beschäftigung nachhaltig gesichert oder verbessert werden könne. "Anders ausgedrückt, jetzt läuft mehr in den Betrieben. Die IG Metall bleibt im Boot, hat sich aber verpflichtet, mit uns in die gleiche Richtung zu rudern." Damit sei eine neue Vertrauensbasis zwischen den Tarifparteien geschaffen.
IG-Metall-Verhandlungsführer Jörg Hofmann sagte: "Wir stellen dadurch unter Beweis, dass die Tarifautonomie kein starres Gebilde ist, sondern die Verbände in der Lage sind, die Tarifverträge auch neuen Herausforderungen und Gegebenheiten anzupassen." Die Tarifrunde hatte als Nagelprobe dafür gegolten, ob die Tarifparteien die von der Politik geforderte Öffnung von Tarifverträgen ohne Eingriffe des Gesetzgebers erreichen können.
Die IG Metall war mit der Forderung nach vier Prozent höheren Einkommen für die insgesamt 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche in die Tarifverhandlungen gegangen. Die Arbeitgeber hatten ursprünglich in zwei Stufen je 1,2 Prozent angeboten, eine Vereinbarung aber an betriebliche Optionen zur Verlängerung der Wochenarbeitszeit um bis zu fünf Stunden auch ohne Lohnausgleich verlangt. Das hatte die IG Metall abgelehnt, weil sie darin ein Abrücken von der im Westen geltenden 35-Stunden-Woche sah.