Tchibo Bruderzwist in der Kaffeerösterei
Hamburg - Bislang gebe es keine Einigung, wer den größten deutschen Kaffeekonzern nach Ablauf des kommenden Jahres weiterführen solle, berichtete die "Financial Times Deutschland". Zwischen den beiden Söhnen des Firmengründers Max Herz, Michael und Günter, soll es in der vorigen Woche zum Eklat gekommen sein, will das Blatt von Topmanagern erfahren haben. Die beiden sollen so heftig in Streit geraten sein, dass Michael der Aufsichtsratsitzung am Donnerstag fernblieb, auf der die Nachfolge für Vorstandschef Günter Herz geregelt werden sollte.
Der 60-Jährige, dessen Vertrag im kommenden Jahr ausläuft, leitet seit 35 Jahren das Familienimperium. Derzeit ist der Konzern auf der Suche nach einem Nachfolger, der den unterschiedlichen Interessen der Anteilseigner gerecht wird. Das gestalte sich jedoch äußerst schwierig, da potenzielle Bewerber fürchteten, zwischen den Familienfronten zerrieben zu werden, schreibt die "Financial Times Deutschland". Die ungelöste Führungsfrage schlägt mittlerweile auch auf die Stimmung der Konzernleitung: "Da macht sich Unsicherheit breit", sagte ein Insider dem Blatt.
Günter Herz soll dem Aufsichtsrat - in Abwesenheit seines Bruders - eine Verlängerung seines Vertrages vorgeschlagen haben. Das gilt jedoch als wenig aussichtsreich, da sich Günter offenbar nur auf die Unterstützung seiner Schwester Daniela Herz-Schnoeckel verlassen kann. Auf den Rest der Familie kann der Vorstandschef trotz seines erfolgreichen Managements nicht bauen. Besonders mit Bruder Michael gibt es im Aufsichtsrat offenbar schon lange Streitereien. "Das ist schlimmer als im Kindergarten", zitiert die "Financial Times Deutschland" eine Quelle aus dem Umfeld.
Die Tchibo Holding, zu der neben der Kaffeerösterei Tchibo die Zigarettenfabrik Reemtsma und rund ein Viertel der Beiersdorf AG gehören, ist vollständig im Besitz der Herz-Familie. Mutter Ingeborg, die Witwe des Firmengründers Max Herz, besitzt 13 Prozent. Die Brüder Günter, Michael und Wolfgang halten je 19 Prozent, ihre Geschwister Joachim und Daniela Herz-Schnoeckel je 15 Prozent.