»Teil eines Schauspiels« - DER SPIEGEL
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»Teil eines Schauspiels«

• aus DER SPIEGEL 5/1996
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Belastet der Ausstieg von Daimler-Benz bei Fokker das deutsch-holländische Verhältnis?

Wijers: Man muß das strikt trennen. Die Spannungen zwischen der holländischen Regierung und Daimler-Benz sind Spannungen zwischen zwei Geschäftspartnern, die sich leider nicht einigen konnten. Beide Seiten sind enttäuscht über den Ausgang der Verhandlungen, beide dachten, der andere hätte sich mehr bewegen müssen. Natürlich ist die Diskussion emotionsgeladen, weil Fokker so wichtig ist für Holland. Aber das hätte mit jedem anderen Partner, mit Briten oder Amerikanern, auch passieren können.

SPIEGEL: Ihr Unterhändler, der ehemalige Unilever-Manager Floris Maljers, gab öffentlich Daimler-Benz die Schuld am Scheitern der Verhandlungen. Der deutsche Konzern sei absolut kompromißlos gewesen und habe sich nicht bewegt.

Wijers: Tatsächlich gibt es Dinge, die wir nicht verstehen, und das haben wir auch gesagt. Doch das ist völlig unabhängig davon, daß wir mit Deutschen verhandelt haben, und steht in keiner Verbindung zur deutsch-holländischen Beziehung. Was wir in Gottes Namen nicht verstehen, ist, warum Daimler-Benz monatelang mit uns verhandelte, ohne klar zu sagen, daß es von vornherein keinen Verhandlungsspielraum gab. Ich nenne das ein Diktat. Leider ist uns das erst am vorletzten Freitag klargeworden.

SPIEGEL: Dasa-Chef Bischoff reagierte empfindlich auf den Vorwurf, daß Daimler zu stur gewesen sei. Er sei schließlich kein Pferdehändler, den man auf den halben Preis hinunterhandeln könne.

Wijers: Warum hat er das nicht gleich beim ersten Treffen gesagt? Das hätte uns allen viel Zeit und Geld erspart. Statt dessen traf man sich weitere vier, fünf Mal. Wir haben das unangenehme Gefühl, Teil eines Schauspiels geworden zu sein. Auch die Milliarde Mark, die Daimler einbringen wollte, war kein frisches Geld, sondern ohnehin fällige Verpflichtung gegenüber Fokker.

SPIEGEL: Bischoff zeigte sich verwundert, daß nicht Sie als Wirtschaftsminister mit ihm über Fokker verhandelten, sondern ein Unterhändler, der nicht einmal Regierungsmitglied ist.

Wijers: Das wundert mich wirklich. Mir gegenüber hat er das niemals erwähnt. Wenn ich einen fachfremden Menschen hingeschickt hätte, der nicht weiß, wovon er redet, könnte ich sein Befremden ja noch verstehen. Aber ich habe ihm einen der besten Unternehmer Hollands geschickt. Unser Unterhändler hatte ein klares Mandat, und er stand, anders als ein Minister, ständig zur Verfügung.

SPIEGEL: So wie Sie von Daimler enttäuscht sind, ist Bischoff enttäuscht von der ebenso unnachgiebigen Haltung Ihrer Regierung.

Wijers: Im ersten Gespräch, das ich mit Bischoff geführt habe, habe ich ihm sofort gesagt: Eure Forderungen sind ausgeschlossen. Davon müssen Sie abweichen, sonst können wir niemals etwas erreichen. An dieser Stelle hätte er sagen müssen, Herr Wijers, das ist für uns das absolute Minimum.

SPIEGEL: Alles nur ein großes Mißverständnis, ein überreiztes Pokerspiel?

Wijers: Wenn Daimler wirklich geglaubt hat, daß Hollands Regierung so viel Geld in Fokker stecken könnte, hat man uns falsch eingeschätzt. Ich dagegen habe an erfahrene Unterhändler geglaubt, die sich in einem bestimmten Moment bewegen werden. Schließlich hat Daimler viel Gutes für Fokker getan, auch noch während der Verhandlungen. Sie hatten Garantien geleistet und eine Leasing-Firma gegründet. Deshalb dachte ich, die steigen niemals aus. Naja, so haben wir beide das Falsche voneinander gedacht.

SPIEGEL: Arbeiter im Fokker-Werk Schiphol freuen sich bereits auf das nächste Fußball-Länderspiel Holland gegen Deutschland . . .

Wijers: . . . o mein Gott. Das bedauere ich.

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