Teilverstaatlichung: Anleger strafen Commerzbank ab - DER SPIEGEL
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Teilverstaatlichung Anleger strafen Commerzbank ab

Der Staat als neuer Großaktionär - das hätte den Kurs der Commerzbank-Aktie eigentlich beflügeln müssen. Tat es aber nicht - im Gegenteil: Das Papier stürzte am zweiten Tag in Folge auf einen historischen Tiefststand.
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Frankfurt am Main - Zeitweise büßte die Aktie der zweitgrößten deutschen Privatbank am Freitag fast 15 Prozent ein - der niedrigste Stand, den die Aktie in ihrer Geschichte zu verzeichnen hatte. Bis zum frühen Nachmittag machte sie die Verluste wieder zum Teil wett, blieb aber fast 6,4 Prozent unter dem Schlusskurs des Vortages und damit zweitschlechtester Wert im Dax.

Commerzbank-Logo: Dresdner Bank als Klotz am Bein

Commerzbank-Logo: Dresdner Bank als Klotz am Bein

Foto: REUTERS

Am Donnerstag schon war der Kurs in der Spitze um 21,4 Prozent auf 4,79 Euro abgesackt, erholte sich jedoch bis Handelsschluss wieder leicht. Dennoch betrug der Tagesverlust 13,8 Prozent.

Damit hat die Aktie allein schon in diesem Jahr mehr als 25 Prozent an Wert verloren. Die Marktkapitalisierung von Deutschlands zweitgrößter Bank betrug nur noch 3,6 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank wird an der Börse immerhin noch mit knapp 14 Milliarden Euro bewertet.

Anleger bleiben skeptisch

Warum die Anleger so skeptisch bleiben, lässt sich indirekt am Kurs der Allianz-Aktie ablesen. Aus ihrer Sicht kann der Versicherungskonzern nun sicher sein, die Dresdner Bank tatsächlich loszuwerden. Die Folge: Die Aktie des Versicherungskonzerns rangiert unter den Favoriten im Dax. Am späten Vormittag notierte die Aktie 5,6 Prozent im Plus bei 70,38 Euro.

Den Klotz Dresdner hat jetzt die Commerzbank am Bein - und gleichzeitig einen Großaktionär im Hause, der bereits angekündigt hat, dass er eine Geschäftstätigkeit erwartet, die seinen politischen Vorgaben entspricht, etwa die Vergabe von Krediten an den Mittelstand. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) etwa ließ seine Erwartungen bereits durchblicken. "Mit dem zusätzlichen Kapital kann die Commerzbank ihre Aufgabe besser erfüllen, die Wirtschaft mit Kapital zu versorgen", sagte er dem "Handelsblatt". Und da der Staat mit 25 Prozent plus einer Aktie eine Sperrminorität besitzt, kann er Unternehmensentscheidungen blockieren.

Aus Anlegersicht keine guten Aussichten also - und für Händler Erklärung genug, warum der Börsenwert der Commerzbank so rapide schwindet.

Grüne und Linke lästern

Kein Wunder auch, dass Linke und Grüne nach Kräften lästern. 18,5 Milliarden für einen 25-Prozent-Anteil von knapp vier Milliarden - das sei kein gutes Geschäft, erklärte Ulrich Maurer, Parlamentarischer Geschäftsführer der Linken im Bundestag, sinngemäß in den "Tagesthemen". Auch Grünen-Fraktionschefin Renate Künast hält den Einfluss des Staates für viel zu gering.

Das sieht man im Bundesfinanzministerium naturgemäß anders. Sobald wie möglich sollen zwei Staatssekretäre im Commerzbank-Aufsichtsrat nach dem Rechten sehen. Dem Bund stünden bei der Bank zwei Aufsichtsratsmandate zu, sagte Ministeriumssprecher Torsten Albig und bestätigte damit einen Bericht des "Handelsblatts". Die Staatssekretäre sollten "sobald wie rechtlich möglich" in das Kontrollgremium entsandt werden, erklärte er, nannte aber keinen Zeitpunkt.

Und auch Guido Westerwelle - sonst eifriger Kritiker der Bundesregierung - hat keine Einwände gegen den Einstieg. Er würde nicht von einer Verstaatlichung sprechen, erklärte er in den "Fuldaer Nachrichten". "Das hört sich so sehr nach Enteignung an." Tatsächlich gebe der Steuerzahler hier Geld. "Und er will nicht, dass es versenkt wird. Sondern vielmehr will er etwas zurückzukriegen. Und dafür bekommt er eben ein Aktienpaket. Das ist rein marktwirtschaftlich."

Wenn sich die Wirtschaft erholt habe, sei es die Aufgabe des Staates, sich wieder von diesen Beteiligungen zu trennen, sagte Westerwelle weiter. "Vielleicht sogar mit Gewinn." Der Staat sei nicht der bessere Banker - "er hat einfach nur mehr Geld." Der Bankenexperte Wolfgang Gerke bezeichnete die Teilverstaatlichung der Bank in einem Gespräch mit SPIEGEL ONLINE als aus gesamtwirtschaftlichem Interesse heraus richtig. "Auf diese Art und Weise bleibt der Bankenwettbewerb in Deutschland erhalten und die Kreditversorgung der Wirtschaft wird unterstützt", sagte der Professor.

Allianz übernimmt einige Altlasten

Auch der Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel lobte die Teilverstaatlichung als "konsequent und gut". Der "Thüringer Allgemeinen" sagte er, die Beteiligung müsse allerdings zeitlich beschränkt werden, aber "nicht so, dass der Staat nur während der Verlustphase beteiligt ist - er muss auch an den Gewinnen beteiligt werden".

Im vergangenen Jahr hatte die Commerzbank bereits eine Kapitalspritze in Höhe von 8,2 Milliarden Euro in Form einer stillen Einlage aus dem Sonderfonds erhalten. Laut Commerzbank will der SoFFin die zusätzlichen zehn Milliarden Euro Eigenkapital durch die Übernahme von 295 Millionen Stammaktien im Wert von rund zwei Milliarden Euro sowie eine stille Einlage in Höhe von rund 8,2 Milliarden Euro bereitstellen.

Zusätzlich will die Allianz als bisherige Mutter der an die Commerzbank verkauften Dresdner Bank die Kapitalausstattung ihrer bisherigen Tochter mit einer stillen Einlage in Höhe von 750 Millionen Euro stärken. Außerdem werde man verbriefte Wertpapiere der Dresdner für etwa 1,1 Milliarden Euro übernehmen. Deren Eigenkapitalanforderungen würden damit um 700 Millionen Euro entlastet.

mik/AP