Teilverstaatlichung US-Regierung will Citigroup-Manager austauschen
Washington - Im amerikanischen Bankenwesen zeichnet sich eine Revolution ab. Die stark angeschlagene Citigroup wird künftig weitgehend von der Regierung kontrolliert. Das teilte die Bank am Freitag in Washington mit. Demnach wird der Staat bereits bestehende Citigroup-Vorzugsaktien in Stammaktien umwandeln. Damit kommt die Regierung von Präsident Barack Obama auf eine Beteiligung an dem Kreditinstitut von bis zu 36 Prozent - die Bank wird teilverstaatlicht.
Citigroup in New York: Konzernchef Pandit soll im Amt bleiben
Foto: Getty ImagesDie Citigroup war einst die größte Bank der Welt. Die Finanzkrise hat das Institut allerdings hart getroffen. Die US-Regierung musste milliardenschwere Hilfe leisten.
Weitere Staatsgelder sollen nun aber offenbar nicht mehr fließen. Dafür soll es weitgehende Änderungen beim Management geben. Die Regierung plane nach dem Erhalt der Mitspracherechte, die Mehrheit des Direktoriums auszutauschen, hieß es. Es solle so schnell wie möglich eine Mehrheit neuer, unabhängiger Mitglieder geben, kündigte der Vorsitzende des Gremiums, Richard Parsons, an. Drei Mitglieder des Verwaltungsrates hatten bereits in der Vergangenheit angekündigt, sie würden nicht wieder kandidieren. Citigroup-Chef Vikram Pandit wird seinen Job aber vermutlich behalten.
Seit Oktober hat die Citigroup von der US-Regierung im Rahmen des Tarp-Programms zur Stützung der Finanzbranche 45 Milliarden Dollar bekommen. Dafür erhielt der Staat Vorzugsaktien.
Neben der Regierung sollen auch private Investoren gewonnen werden, um die Kapitalbasis der Bank zu stärken. Das dürfte auch nötig sein: Die Citigroup gab am Freitag die zusätzliche enorme Wertberichtigungen von 9,6 Milliarden Dollar bekannt.
Größere Investoren wie etwa Singapurs Staatsfonds GIC haben laut Citigroup ihre Beteiligung an dem Kapitalschritt bereits zugesagt. Sollten alle Parteien mitziehen, würde das Eigenkapital der Bank von bisher knapp 30 auf rund 81 Milliarden Dollar aufgestockt.
Die Entwicklung bei der Citigroup hat nach Einschätzung von Analysten maßgebliche Auswirkungen für den Bankensektor und die US-Wirtschaft insgesamt. Eine Einigung dürfte an den Märkten für Erleichterung sorgen. Ängste vor einer Verstaatlichung von Großbanken hatten die US-Börsen zuletzt belastet.
Mit dem Staat als Stabilitätsfaktor im Rücken könnte die Citigroup wieder Vertrauen bei anderen Banken schaffen und somit die Geschäfte zwischen den Instituten ankurbeln. Zudem wäre die Gefahr einer drohenden Pleite zunächst gebannt.
Ende vergangenen Jahres hatte die US-Regierung die Citigroup bereits mit einem gigantischen Hilfspaket vor dem Kollaps bewahrt. Das Institut bekam neben der Kapitalspritze Bürgschaften für riskante Vermögenswerte von über 300 Milliarden Dollar.