Telefilm Saar: Ex-Geschäftsführer stellt sich - DER SPIEGEL
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Telefilm Saar Ex-Geschäftsführer stellt sich

Gefälschte Kontoauszüge und getürkte Bürgschaften: Der seit Anfang Mai untergetauchte Ex-Geschäftsführer der Telefilm Saar, Joachim Schöneberger, hat sich überraschend gestellt. Er soll für den millionenschweren Betrugsskandal bei der Tochterfirma des Saarländischen Rundfunks verantwortlich sein.
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Saarbrücken - "Herr Schöneberger sitzt in Untersuchungshaft", bestätigte sein Anwalt Wolfgang Köhl gegenüber dem SPIEGEL. Am Vormittag hatte die Staatsanwaltschaft Haftbefehl erlassen. Schöneberger habe sich daraufhin am heutigen Nachmittag freiwillig gestellt und wurde in die JVA Saarbrücken überführt. "Mein Mandant wird in der kommenden Woche zu den Vorwürfen Stellung nehmen", so Köhl.

Die Telefilm Saar, die zu 100 Prozent dem Saarländischen Rundfunk gehört und unter anderem den Saarbrücker Tatort produziert, befindet sich in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten. Gegen den ehemaligen Geschäftsführer Schöneberger ermittelt die Staatsanwaltschaft Saarbrücken wegen Bilanzmanipulationen, durch die insgesamt ein Schaden von rund 15 bis 20 Millionen Euro entstanden sein soll. Schöneberger soll Kontoauszüge am Farbkopierer gefälscht und zur Kreditaufnahme bei mehreren Banken zwei gefälschte Bürgschaften des Saarländischen Rundfunks vorgelegt haben.

Luftbuchungen von 2,7 Millionen Euro

Der Aufsichtsrat der Telefilm Saar, dem unter anderem auch der SR-Indendant und derzeitige ARD-Vorsitzende Fritz Raff angehört, hatte Schöneberger bei der Staatsanwaltschaft angezeigt und ihm gekündigt. Dieser war daraufhin schon vor knapp zwei Wochen untergetaucht. "Noch finden wir täglich in den Unterlagen neue Vertuschungen und Ungereimtheiten", sagte Raff dem SPIEGEL. Man habe Schöneberger am Ende mächtigen Druck gemacht, die entsprechenden Unterlagen vorzulegen. Dem sei dieser leider nicht nachgekommen. "Dem Aufsichtsrat war im Zuge seiner Nachforschungen irgendwann klar, dass die Telefilm Saar ein Sanierungsfall ist, aber die wirklichen Hintergründe dieser Probleme konnte sich hier keiner vorstellen."

Die Telefilm Saar hat bereits 2005 in Verbindung mit dem ARD-Schleichwerbe-Skandal für Negativ-Schlagzeilen gesorgt: Damals entdeckte man Rechnungen aus den 90er Jahren für Produktplatzierungen bei Telefilm-Produktionen. Heute wurde laut Informationen der "Saarbrücker Zeitung" zudem eine weitere Mitarbeiterin der Telefilm Saar fristlos entlassen. Die Buchhalterin der Produktionsfirma hatte eingeräumt, für Schöneberger unter anderem Luftbuchungen in Höhe von 2,7 Millionen Euro durchgeführt zu haben. Der Aufsichtsrat hat am vergangenen Samstag die Liquidation der Telefilm Saar beschlossen.