Telefonanbieter Freenet steigt ins Stromgeschäft ein
Hamburg - Telefontarif, Handytarif, Stromtarif: Der Telefon- und Internetanbieter Freenet vertreibt künftig auch Strom. In allen Filialen können Kunden die angebotenen Tarife bestellen. Freenet ist der erste größere neue Stromanbieter, der seine Produkte auch in Läden und nicht nur über Internet oder Telefon vertreibt. Es gebe eine hohe Bereitschaft der Stromkunden, den Anbieter zu wechseln, sagte Freenet-Chef Eckhard Spoerr. Das wolle sich Freenet zunutze machen.
Das Unternehmen folgt damit dem allgemeinen Branchentrend: Die Telefongesellschaft TelDaFax ist bereits im Stromhandel aktiv. Nach Angaben der Bundesnetzagentur kam im vergangenen Jahr durch die Regulierung der Netze Bewegung in den Markt, der zuvor nur geringe Wechselraten aufgewiesen hatte.
Das Preismodell für den zweiten Tarif von Freenet ähnelt dem Angebot des Konkurrenten "E wie einfach": Kunden zahlen die gleiche Grundgebühr wie beim örtlichen Versorger, der Strom selbst ist ein Cent pro Kilowattstunde günstiger. Dennoch können laut Verbraucherportal Verivox die Tarife nicht mit den Angeboten der Wettbewerber mithalten. Ein Vergleich der Freenet-Angebote für zehn große Städte habe gezeigt, dass andere Anbieter günstiger seien.
Ein Berliner Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden zahle bei Freenet zwar 40 Euro weniger als im Grundversorgungstarif. Der günstigste Anbieter mit Vorkasse sei aber ganze 190 Euro günstiger. Das billigste Angebot ohne Vorkasse liege 64 Euro unter dem Freenet-Tarif. Freenet bietet auch Ökostrom an - allerdings ist laut Verivox das entsprechende Angebot des lokalen Versorgers günstiger.
Woher Freenet seinen Ökostrom bezieht, ist nach wie vor unklar. Der hinter dem Produkt stehende Anbieter Bonus Strom gibt lediglich an, die Energie stamme zu 100 Prozent aus regenerativen Quellen. Ein unabhängiges Gütesiegel wie andere Ökostrom-Anbieter hat das Unternehmen laut Verivox nicht. Auch eine Freenet-Sprecherin konnte dazu keine Angaben machen. Das lässt an dem Ökostrom-Angebot von Freenet zweifeln - denn Strom aus herkömmlichen Kohle- oder Atomkraftwerken kann im Nachhinein über Handel mit Zertifikaten als Ökostrom zertifiziert werden.
sil/AFP