Telefongebühren: Billiger wird's nicht mehr - DER SPIEGEL
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Telefongebühren Billiger wird's nicht mehr

Die Zeiten sinkender Telefongebühren sind offenbar vorbei. Seitdem die Deutsche Telekom nicht mehr die Rechnungen für ihre Konkurrenten eintreiben muss, kämpfen die Wettbewerber ums Überleben.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Übernahm die Telekom bis vor kurzem für die privaten Konkurrenten das Schreiben von Mahnungen, müssen diese künftig säumige Kunden selbst erinnern. "Das sind angesichts der ohnehin geringen Margen ungeheure Mehrkosten", sagt Marion Krause vom Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM). "Die Folge sind steigende Preise - drei oder vier Anbieter haben die Preise bereits erhöht."

Die neue Inkassoregelung verursache eine Kostensteigerung bei den Call-by-Call-Gesprächen von 10 bis 15 Prozent, heißt es bei dem Münchner Regional-Anbieter Callino. Diese müsste das Unternehmen teilweise an die Kunden weitergeben.

Inzwischen lassen die extrem gesunkenen Preise für Ferngespräche im Call-by-Call-Verfahren ohnehin kaum noch nennenswerte Gewinne zu. In der vergangenen Woche erreichte der ruinöse Wettbewerb seinen ersten Höhepunkt. Der Marburger Telekom-Anbieter TelDaFax hatte bei der Deutschen Telekom eine Telefonrechnung von 90 Millionen Mark angehäuft. Als die Telekom die Rechnung einforderte, blieb TelDaFax nur noch der Gang zum Konkursrichter übrig.

Sofort kamen auch andere Mitbewerber ins Gerede, die sich aber vehement gegen Pleite-Gerüchte wehren. "Es gibt von Seiten der Telekom kein Mahnverfahren und auch keine Abschaltungsdrohung", sagt der Pressesprecher von Callino. Auch Konkurrent RSL COM aus Frankfurt weist Spekulationen über eine Schieflage zurück. "Es gibt keine offenen Posten der Deutschen Telekom gegenüber RSL COM", hebt RSL-COM-Geschäftsführer Lutz Meyer-Scheel hervor. "Vor diesem Hintergrund ist es uns ein Rätsel, dass wir in diesem Zusammenhang überhaupt erwähnt werden." Das Unternehmen verfüge über ausreichend flüssige Mittel.

Trotzdem sieht Analyst Joeri Sels vom Bankhaus Julius Bär noch eine tiefgreifende Konsolidierungswelle auf die Branche zukommen. "Einige Dutzend Anbieter werden sicherlich verschwinden", schätzt er. Hohe Rechnungen wie vor der Freigabe des Wettbewerbs auf dem Telekom-Markt befürchtet der Telekom-Spezialist allerdings nicht: "Zehn oder zwanzig Konkurrenten können einen genauso harten Preiskampf führen." Interessanter als das Call-by-Call-Telefonieren sei für viele Unternehmen ohnehin die vertragliche Festlegung der Kunden auf einen Anbieter. Zudem gehe der Trend zunehmend zu Pauschaltarifen und schnelleren Internetzugängen (Breitband), mit denen vor allem Geschäftskunden angesprochen werden sollen.