Telefongebühren: Rückschlag für die Telekom - DER SPIEGEL
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Telefongebühren Rückschlag für die Telekom

Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post hat die Gebühren für die Benutzung der Telekomleitungen durch Konkurrenten gesenkt. Billiger kommen allerdings nur Wettbewerber davon, die in eigene Netze investieren.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Bonn - Bisher sind die so genannten Interconnection-Tarife entfernungsabhängig. Telekom-Konkurrenten müssen dem Bonner Unternehmen durchschnittlich 2,04 Pfennig pro Minute zahlen, wenn sie Gespräche durch dessen Netz leiten. Die Preise reichen in der Hauptzeit von 1,71 Pfennig pro Minute für Ortsgespräche bis 4,47 Pfennig für Ferngespräche über mehr als 200 Kilometer.

Ab 1. Juni soll ausschlaggebend sein, in welchem Maße der Konkurrent Technik der Telekom in Anspruch nimmt, entschied die Regulierungsbehörde am Montag. Telefongesellschaften, die eigene Fernleitungen betreiben und viele Zusammenschaltungspunkte mit dem Telekom-Netz einrichten, kommen in den Genuss günstigerer Tarife. Unternehmen, deren eigener Investitionsaufwand gering ist, weil sie nur bei der Telekom eingekaufte Gesprächseinheiten weiterverkaufen, müssen dagegen draufzahlen.

Um flächendeckend den günstigsten neuen Interconnection-Tarif von 1,24 Pfennig pro Minute in der Hauptzeit und 0,83 Pfennig in der Nebenzeit zu erhalten, müssen die Telefongesellschaften Zusammenschaltungspunkte in allen 475 lokalen Einzugsbereichen einrichten. Die meisten Wettbewerber haben derzeit jedoch lediglich zwischen 21 und 30 Zusammenschaltungspunkte. Die niedrigen Tarife könnten sie nur für Gespräche im Bereich dieser Punkte in Anspruch nehmen.

Der Präsident der Regulierungsbehörde, Klaus-Dieter Scheurle, sagte, dass die Neuregelung die Wettbewerber zu Investitionen in das eigene Netz ermuntern soll. Aufwand und möglicher Nutzen der Investitionen seien nun berechenbarer. Zudem würden die Preise sinken, was vielen eigenen Angaben zufolge unter Margenverfall leidenden Unternehmen etwas Luft verschaffe.

Die Telekom kündigte an, Rechtsmittel gegen die Entscheidung zu prüfen. "Wir haben Anlass, in die gerichtliche Anfechtung zu gehen", sagte ein Telekom-Sprecher. Die bis Ende 2003 geltenden Tarife seien zu niedrig und enthielten neue Wettbewerbsverzerrungen. Die internationalen Konkurrenten der Telekom könnten in Deutschland Dienstleistungen billig einkaufen, während die Telekom im Ausland viel mehr bezahlen müsse, kritisierte der Sprecher.

In Branchenkreisen wird die Telekom als Verlierer der neuen Regelung gesehen. Der Telekom entgingen mit der Entscheidung Einnahmen, da sie mit höheren Tarifen kalkuliert habe. Derzeit erwirtschaftet die Telekom rund zwei Milliarden Mark mit den Zusammenschaltungsentgelten.

Wie sich die Regelung auf die Verbraucherpreise auswirkt, dürfte nach Einschätzung von Beobachtern vor allem davon abhängen, welche Investitionen für die Telekom-Konkurrenten nötig werden, um den günstigsten Tarif in Anspruch nehmen zu können. Unter Umständen könne es für sie wirtschaftlicher sein, den zweitgünstigsten Tarif in Kauf zu nehmen und dadurch teure Investitionen in Vermittlungscomputer und Gebäude zu sparen.