Telefonkonzern Freenet wehrt sich gegen Zerschlagung
Hamburg - Die Betriebsräte und Mitarbeiter des Telekommunikationsanbieters Freenet haben sich am Mittwoch in einem offenen Brief an die Aktionäre gegen eine Zerschlagung des Unternehmens ausgesprochen. "Wir stehen hinter dem Freenet-Vorstand mit seinem Vorsitzenden Eckhard Spoerr. Wir sagen Nein zu den Zerschlagungsplänen von United Internet und Drillisch", heißt es in dem Brief, der als großformatige Anzeige in der Tagespresse erschien.
Die Beschäftigten fordern die an diesem Freitag in Hamburg zur Hauptversammlung eingeladenen Aktionäre auf, mit den Mitarbeitern zusammenzuhalten und die "Erfolgsgeschichte von Freenet gemeinsam weiterzuschreiben". Bei dem Treffen will Spoerr seine Strategie darlegen und sich damit gegen die Kritik der beiden Großaktionäre United Internet und Drillisch zur Wehr setzen.
Spoerr hatte deren Pläne zur Übernahme von Freenet durchkreuzt, indem er den Mobilfunkanbieter Debitel übernahm. Nun wollen die Konkurrenten bei der Hauptversammlung dem Vorstand das Vertrauen entziehen lassen. Sollte dies gelingen, hoffen sie, dass der Aufsichtsrat den Vorstand entlässt.
Schon jetzt gerät Freenet-Chef Spoerr in die Kritik. Es könne nicht angehen, dass Mitarbeiter instrumentalisiert würden, um über die Medien die Entscheidungen der Aktionäre bei der Hauptversammlung zu beeinflussen, schreibt der Debitel-Betriebsratschef Carsten Hügin in einem am Mittwoch veröffentlichten Brief an Spoerr.
Die Anzeige der Freenet-Mitarbeiter war nach Angaben von Arbeitnehmervertretern von der Konzernführung initiiert worden. Hügin vermutet, dass die Kosten für die Kampagne vom Unternehmen getragen wurden. "Wir können uns nicht vorstellen, dass eine Anzeige im Gegenwert von 36.000 Euro allein durch Mittel der Mitarbeiter finanziert worden ist", schreibt er. Eine Freenet-Sprecherin betonte dagegen, dass das Geld privat gesammelt worden sei.
Am morgigen Donnerstag veröffentlicht die Freenet AG ihre Halbjahreszahlen. Das Unternehmen verzeichnete nach Angaben aus einem Wertpapierprospekt in den ersten beiden Monaten des zweiten Quartals einen Gewinneinbruch.
kaz/dpa-AFX