Telefonsparte Siemens-Mitarbeiter protestieren gegen Stellenabbau
München - BMW, Henkel, Siemens: Quer durch alle Branchen streichen deutsche Großkonzerne Stellen. Die Mitarbeiter wollen sich nun wehren - und machen öffentlich auf ihre Belange aufmerksam. Heute demonstrierten 800 Siemens-Mitarbeiter gegen den geplanten Stellenabbau in der Telefonanlagensparte Sen. Nach einer außerordentlichen Betriebsversammlung marschierten sie vor dem Münchner Sen-Stammhaus auf.
Michael Leppek vom Siemens-Team der IG Metall forderte den Erhalt der Arbeitsplätze und ein tragfähiges Konzept für die Unternehmenssparte. "Sen muss zukunftsfähig sein", sagte er. Die Gewerkschaft warte jetzt auf ein Signal des Managements.
Am Standort München arbeiten der IG Metall zufolge 1700 Sen-Beschäftigte, davon 1400 im Stammhaus. Dort sollen mindestens 450 Stellen wegfallen. Insgesamt plant der Technologiekonzern weltweit 6800 Arbeitsplätze im Telefonanlagengeschäft Sen zu streichen, davon allein knapp die Hälfte in Deutschland. Zwei Drittel werden sich einen neuen Job suchen müssen, der Rest soll bei Kooperationspartnern unterkommen oder für neue Werksbesitzer an ihrem alten Arbeitsplatz tätig sein. Bei Sen sind 17.600 Menschen beschäftigt.
Mit der Ankündigung, Tausende Stellen abzubauen, kommt Siemens nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. In den vergangenen Monaten machte das Unternehmen vor allem durch seine Schmiergeldaffäre von sich reden. Hohe Summen sollen über Jahre in schwarzen Kassen verschwunden sein, die Mittel wurden dann im Ausland als Schmiergeld eingesetzt.
Derzeit versucht der Konzern, die Affäre aufzuarbeiten. Bisher haben von dem konzerninternen Amnestieprogramm knapp 90 Mitarbeiter Gebrauch gemacht. Noch bis Ende Februar haben Siemens-Beschäftigte die Gelegenheit, sich freiwillig zu melden, sollten sie in die Affäre verwickelt sein. Geständige Mitarbeiter müssen nicht mit Entlassung oder Schadensersatzforderungen von Seiten des Unternehmens rechnen. Führungspersonal ist von dieser Regelung jedoch ausgeschlossen.
sil/dpa-AFX/ddp/Reuters