Telekom Aktie kraftlos - Sommer schweigt
Frankfurt am Main - Die Telekom will sich nicht in die Karten schauen zu lassen. Ron Sommer hatte in den vergangenen Monaten zwar vollmundig Übernahmen angekündigt, konkret will aber momentan niemand werden." An solchen Spekulationen beteiligen wir uns nicht", sagte Telekom-Sprecher Ulrich Lissek zu einem Bericht der Londoner "Times". Diese hatte berichtet, die Telekom stehe kurz vor einem Angebot für Sprint in Höhe von 99 Milliarden Dollar (204 Milliarden Mark).
In einem insgesamt schwachen Marktumfeld brachen die Aktien der Telekom bei sehr hohem Umsatz um 7,7 Prozent auf 58,70 Euro ein. Damit kosteten die Aktien weit weniger als bei der Platzierung im Juni mit 66,5 Euro. Privatanleger, die besonders früh zeichneten, hatten nur 63,5 Euro bezahlt.
Händler sagten, der Kurseinbruch sei auf Befürchtungen von Investoren zurückzuführen, der Kaufpreis für Sprint sei zu hoch und die Telekom könnte sich damit übernehmen. Noch bis vor kurzem hatten Händlern zufolge Akquisitions-Gerüchte die Telekom-Titel beflügelt. "Wenn Übernahmegerüchte Realität zu werden scheinen, verblasst die Fantasie am Markt und der Aktienwert sinkt", sagte ein Händler. Ein anderer fügte hinzu: "Am Markt kursieren Gerüchte, die Telekom werde nur Teile von Sprint kaufen und dafür 35 bis 40 Milliarden Dollar zahlen."
Händler verwiesen auch darauf, dass die an der Platzierung im Juni beteiligten Konsortialbanken den Kurs offenbar gestützt und ein Absinken unter die 63,5-Euro-Marke verhindert hatten. In Medienberichten hieß es, die Banken hätten zusammen mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) rund 1 Milliarde Euro vom Markt genommen. Diese Stützungskäufe seien nun ausgelaufen und belasteten zusätzlich den Kurs. Analysten erwarten von der Telekom seit längerem einen Zukauf in den USA, um den Konzern international voranzubringen. Seit Tagen kursieren Gerüchte, die Telekom könne die gescheiterte Fusion zwischen Sprint und Worldcom zu einem erneuten Übernahmeversuch bei Sprint nutzen. Bereits im Herbst vergangenen Jahres war die Telekom an Sprint interessiert, hatte sich jedoch aus dem Bietergefecht mit Bell South und Worldcom zurückgezogen. Der von Worldcom gebotene Kaufpreis von 129 Milliarden Dollar einschließlich Verbindlichkeiten war von der Telekom damals als überhöht bewertet worden.
Nach den Worten von Telekom-Chef Ron Sommer arbeitet der Bonner Konzern mit Hochdruck an der von Analysten geforderten Expansion in den USA. Die für Akquisitionen zur Verfügung stehende "Kriegskasse" der Telekom beläuft sich nach Unternehmensangaben auf rund 100 Milliarden Euro.