Telekom Anleger beim Börsengang getäuscht?
Bonn - Nach einem Vorabbericht des ARD-Politikmagazins "Report" aus Mainz könnten Vorstand und Finanzministerium im Jahr 1999 milliardenschwere Risiken verschwiegen haben. Professor Wolfgang Gehrke, Mitglied der Börsensachverständigenkommission, sprach vom Verdacht auf Emissionsbetrug. Ein Telekom-Sprecher und das Finanzministerium wiesen die Vorwürfe hingegen entschieden zurück.
Das ARD-Magazin beruft sich auf Aussagen des früheren Finanzvorstandes Joachim Kröske, der nach seinem Ausscheiden schon häufiger als heftiger Kritiker des Telekom-Managements aufgefallen ist. Kröske will Vorstand und Aufsichtsrat im Jahr 1999 vor überteuerten Zukäufen gewarnt haben. So will er sich dafür ausgesprochen haben, für den Erwerb der britischen Mobilfunkfirma One2One (heute: T-Mobile UK) nur fünf Milliarden Euro zu zahlen. Tatsächlich kaufte die Telekom das Unternehmen im August 1999 für rund zehn Milliarden.
Über die Meinungsunterschiede im Vorstand seien der Aufsichtsrat und damit auch der Bund als Hauptaktionärs informiert gewesen, so der Vorwurf. Dennoch sei der Börsengang, vom dem Kröske angeblich abriet, neun Monate später durchgeführt worden. Kröske wirft der Telekom unter anderem vor, die habe Anleger auf mögliche Abschreibungsrisiken hinweisen müssen.
Die Telekom wies die Anschuldigung als absurd zurück. In den Börsenprospekt seien alle Risiken eingeflossen, die damals bekannt gewesen seien. Der britische Mobilfunkbetreiber habe sich inzwischen gut entwickelt, so dass Kröskes Kritik nicht nachvollziehbar sei.
Auch ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums wies die Vorwürfe und die Darstellung zurück. "Dem Aufsichtsrat lagen die Einlassungen von Herrn Kröske nicht vor." Im Aufsichtsrat, und nur dazu könne die Bundesregierung etwas sagen, kämen nur vom Vorstand gemeinsam getragene Entscheidungen an. Im übrigen halte sich die Regierung an die aktienrechtlichen Bestimmungen, wonach Mitglieder des Aufsichtsrates der Pflicht zur Verschwiegenheit unterlägen.
Bei der Bonner Staatsanwaltschaft, die gegen die Telekom und ehemalige Vorstände wegen möglicher Falschbewertung von Immobilien ermittelt, liegt seit längerem eine Anzeige wegen angeblich unrichtiger Angaben im Börsenprospekt vor. Diese Vorwürfe beziehen sich jedoch auf den Erwerb des US-Mobilfunkbetreibers VoiceStream, den die Telekom kurz nach dem Börsengang angekündigt hatte.
Der Bund hatte damals bei einem Ausgabekurs von 66 Euro rund 15 Milliarden Euro aus dem Verkauf eines Aktienpaketes eingenommen. Am Montag notierte die T-Aktie am Nachmittag bei 11,23 Euro.