Telekom Auch Manager wollen auf Gehalt verzichten
Berlin - "Wir haben klar gemacht, dass wir uns natürlich, so wie übrigens schon einmal vor zwei Jahren und wie in den letzten Jahren durch mehrere Nullrunden, jetzt auch durch Gehaltsverzicht solidarisch an der Aktion beteiligen", sagte Konzernchef René Obermann am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner". Sein Gehalt sei derzeit seine "letzte Sorge". Vor zwei Jahren habe der Vorstand schon einmal auf ein Monatseinkommen verzichtet, sagte Obermann. Er mache dies in diesem Jahr vom Ausgang der Verhandlungen mit Ver.di abhängig.
Obermann plädierte weiter dafür, dass sich die Gewerkschaft dem Umbau anschließe. Auf Grund veränderter Marktbedingungen erwarte die Telekom in den nächsten Jahren ein Absinken ihrer Umsätze um Milliarden. Das Unternehmen müsse "gegensteuern, um eine Chance zu haben, den Menschen langfristig eine gute Beschäftigungsperspektive zu geben, zu Bedingungen, die bei uns immer noch deutlich besser sind als bei all den Unternehmen, mit denen zum Beispiel Ver.di Tarifverträge abschließt für die Hälfte des Geldes", sagte Obermann.
Telekom und Verdi wollen am Dienstag erneut zu Verhandlungen zusammenkommen, um eine Lösung über die umstrittene Auslagerung von 50.000 Beschäftigten in drei Service-Gesellschaften zu finden. In zuvor vier Verhandlungsrunden hatte es keine Annäherung gegeben. Die Telekom will mit der Auslagerung der Arbeitsplätze in eine neue T-Service die Kosten senken und den Kundenservice verbessern. Bisher zahle die Telekom für diese Bereiche etwa doppelt so viel wie die Konkurrenz, sagte Obermann.
Im Gegenzug bietet der Konzern den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen oder einen Verkauf der Service-Einheiten bis Ende 2010 an und stellt die Schaffung neuer Arbeitsplätze in Aussicht. Die Gewerkschaft wendet sich vor allem gegen die geplanten Einkommenskürzungen.
Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) verteidigte in der ZDF-Sendung den Sanierungsplan. "Die Telekom ist eine private Aktiengesellschaft, und es ist ungeheuer Wettbewerb im Markt", sagte Glos. Obermann habe die nicht leichte Aufgabe, den Konzern so auf Vordermann zu bringen, dass die Eigentümer ihre Aktien halten. Sonst könnte es sein, dass die Telekom "in Hände kommt, die vielleicht sehr viel radikaler mit den Beschäftigten umgehen".
sam/dpa-AFX/AP