Telekom-Beamte Vom Nichtstun erlöst
In einem Reuters am Freitag vorliegenden Informationsblatt der konzerneigenen Personalservice-Agentur Vivento an die Mitarbeiter heißt es, etwa 3000 Beamte sollten vom 28. Juni dieses Jahres bis Ende Mai 2005 die rund 180 Agenturen für Arbeit vor Ort unterstützen. Die Beamten würden ab Juli in fünftägigen Schulungen auf ihren Einsatz vorbereitet.
Die Aufwendungen und Bezüge werde die Deutsche Telekom mit der BA beziehungsweise dem Bundeswirtschaftsministerium abrechnen.
Zu den Kosten wollten sich am Freitag weder BA, Ministerium noch die Telekom äußern. Ein Telekom-Sprecher sagte, die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen. Nach Angaben einer BA-Sprecherin ist noch offen, ob die BA oder der Bund die Kosten übernehmen werden: "Das ist ein Punkt, der noch in der Diskussion ist."
Eine Ministeriumssprecherin stellte aber klar, dass der Bund grundsätzlich die Kosten im Zusammenhang mit dem Arbeitslosengeld II trage und diese der BA erstatte. Für die Abordnung der Beamten ist laut BA-Sprecherin eine Verwaltungsvereinbarung zwischen BA und der Telekom erforderlich. Dazu gebe es derzeit Vorgespräche der BA mit dem Wirtschafts- und dem Bundesfinanzministerium.
Für die Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe mit Jahresanfang 2005 zum Arbeitslosengeld II müssen zusätzliche Daten der bisherigen Hilfebezieher etwa zu deren Vermögen und Familienangehörige erhoben werden. Über die firmeneigene Auffanggesellschaft Vivento wickelt die Telekom einen Teil ihres Personalabbaus ab. Beschäftigte aus dem Mitarbeiterpool werden unter anderem extern zur Leiharbeit eingesetzt.
Rund 20.000 Beschäftigte hat die Deutsche Telekom bislang in die konzerneigene Auffang- und Personalvermittlungsgesellschaft Vivento ausgelagert. Von den knapp 250.000 Mitarbeitern der Telekom sollen bis 2006 rund 22.000 den Konzern verlassen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es bis 2008 nicht geben, die ehemaligen Beamten aus der Bundespost-Zeit genießen ohnehin Kündigungsschutz. Vivento fungiert daher als "Drehtür nach draußen."
Die Weitervermittlung der Mitarbeiter aus der Auffanggesellschaft war bislang aber wenig erfolgreich. Die Mehrzahl der Mitarbeiter wird mit Weiterbildungsprojekten beschäftigt, knapp die Hälfte hat derzeit gar nichts zu tun. Das Frankfurter Verwaltungsgericht hatte in einem Musterurteil einem klagenden Telekom-Beschäftigten Recht gegeben, der intern versetzt werden sollte. Die einzige Beschreibung seines neuen Jobs lautete: Bereithalten.